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Booster-Impfung, Triage und Impfpflicht – neue Regierung soll Rechte behinderter Menschen nicht vergessen

Der Behindertenverband ISL mahnt im Kampf gegen die Corona-Pandemie mobile und barrierefreie Angebote sowie menschenrechtlich basierte Kriterien an.

An einer Tür ist ein hochformatiges Hinweisschild angebracht mit dem schwarz gedruckten Text „Eingang Impfzentrum“. Darunter werden drei blaue Symbole gezeigt: Ein Mensch mit Gehstock, das Rollstuhlfahrer-Zeichen und ein Mensch mit Rollator. Darunter ein blauer, dicker Pfeil, der nach rechts zeigt.
Hinweisschild: barrierefreier Eingang zum Impfzentrum. (Foto: Schutterstock)

Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. – ISL appelliert an die Ampelkoalition, in der derzeitigen Corona-Lage in den Themen Booster-Impfung, Triage und Impflicht „endlich tätig zu werden!“ Besorgt über die „abwartende Haltung“ mahnt die ISL, „nicht noch einmal die gleichen Fehler zu begehen, die der abgewählten Bundesregierung passiert sind.“

Gerade jetzt komme es darauf an, dass mobile und spontane Impfangebote zugänglich und barrierefrei sind, um die Auffrischimpfungen für alle Personen, die einem „vulnerablen“ Personenkreis angehören, schleunigst zu ermöglichen.

Angesichts der dramatischen Lage in Krankenhäusern sei zu befürchten und leider zu erwarten, dass eine Triage vor allem zu Lasten behinderter und älterer Menschen stattfindet: „So sehen es bis heute die (unverbindlichen) Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) vor, die sich nach wie vor an der sogenannten Gebrechlichkeitsskala orientieren. Von menschenrechtlich basierten Kriterien keine Spur!“

Was genau bedeutet Triage?

Der Begriff „Triage“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „Auswahl“ oder „Sichtung“. Im medizinischen Kontext beschreibt er die Einteilung von Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen. Dadurch können Ärzte und Pfleger leichter entscheiden, wer zuerst behandelt wird. Triagieren gehört in Notaufnahmen zum Alltag, stammt jedoch ursprünglich aus der Militärmedizin. Der französische Chirurg Freiherr Dominique Jean Larrey entwickelte die Triage im Jahr 1792 während der Napoleonischen Kriege. In Zeiten knapper Ressourcen brauchte man ein System, um zu entscheiden, welche der zahlreichen Verletzten zuerst behandelt wurden. Ziel der Triage war es, Soldaten möglichst schnell wieder fit für den Einsatz zu machen. Das bedeutet, dass diejenigen mit den besten Aussichten auf Genesung zuerst Hilfe bekamen, und nicht die Menschen, die sie am nötigsten brauchten.

Dieser Ansatz steht im Konflikt mit den Prinzipien der Medizin heutzutage: In einer Notaufnahme werden Menschen, denen es besonders schlecht geht, auch besonders dringlich behandelt. Im Krieg, bei Katastrophen oder in anderen Ausnahmefällen wandelt sich das – es mangelt an Zeit, Personal und Materialien, sodass eine angemessene Versorgung aller nicht möglich ist. In solchen dramatischen Situationen dient die Triage dazu, Behandlungsentscheidungen so zu treffen, dass möglichst viele Menschen überleben.

Quelle: Quarks

Nicht in Klein-Klein verlieren

Der ISL: „Wir appellieren an die Ampelkoalition, auch dafür zu sorgen, dass behinderte Kinder und ihre Familien bei der Ausgabe des Corona-Impfstoffes ein prioritäres und niedrigschwelliges Angebot bekommen!

Wir appellieren an alle Verantwortlichen, sich jetzt nicht im Klein-Klein über Teilimpfpflichten zu verlieren: Zum jetzigen Zeitpunkt braucht es vielmehr eine Impfpflicht für alle! Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, schwer zu erkranken, sind auf alle Menschen drum herum angewiesen.“

Die „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL)“ ist eine menschenrechtsorientierte Selbstvertretungsorganisation und die Dachorganisation der Zentren für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen. Sie wurde nach dem Vorbild der US-amerikanischen „Independent Living Movement“ gegründet, um die Selbstbestimmung behinderter Menschen auch in Deutschland durchzusetzen.

(RP/PM)

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