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Gesellschaft & Politik

Blinden- und Sehbehindertenvereine aus Hamburg und Schleswig-Holstein kritisieren Einstellung der „Bäderbahn“

In einem Offenen beklagen die beiden Verbände, dass dadurch Menschen mit Sehbehinderung eine der wenigen Möglichkeiten genommen wird, einen barrierefreien Urlaub zu verleben.

Timmendorfer Strand
Durch die Einstellung der Bäderbahn haben Menschen mit Sehbehinderung keine Möglichkeit mehr, selbstständig zum AURA-Hotel (nicht im Bild) am Timmendorfer Strand zu kommen. (Foto: Shutterstock)

In einem Offenen Brief richten der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) und der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH) deutliche Kritik an der Entscheidung des Verkehrsministeriums in Schleswig-Holstein, die sogenannte Bäderbahn einzustellen. Damit werden blinde und sehbehinderte Menschen von einer der wenigen Möglichkeiten abgeschnitten, in Deutschland einen barrierefreien Urlaub zu verleben oder in geeignetem Rahmen Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen, so die Interessenvertretungen seheingeschränkter Menschen.

Lesen Sie im Folgenden den Offenen Brief im Wortlaut:

Offener Brief: Konsequenzen für blinde und sehbehinderte Menschen durch das Einstellen der Bäderbahn

Sehr geehrter Herr Minister Ruhe Madsen,

mit der Entscheidung, die sogenannte Bäderbahn einzustellen, werden blinde und sehbehinderte Menschen von einer der wenigen Möglichkeiten abgeschnitten, in Deutschland einen barrierefreien Urlaub zu verleben.

In Timmendorfer Strand befindet sich das AURA-Hotel. Das Hotel ist ein als gemeinnützig anerkannter Zweckbetrieb. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. erfüllt mit dem Hotel seinen Satzungszweck der Erholungsfürsorge. Das Hotel wurde unter der Voraussetzung als gemeinnützig anerkannt, dass die Gäste eine Seheinschränkung im Sinne der Satzung des Vereins haben. Es ist speziell auf die Bedarfe blinder und sehbehinderter Gäste ausgerichtet. Diese Personengruppe ist auf eine Anreisemöglichkeit mit dem Zug angewiesen.

Blinde und sehbehinderte Menschen möchten wie sehende Menschen auch im Urlaub nicht auf Komfort verzichten. Weil die Orientierung in einem fremden Haus jedoch schwierig ist und selbst ein Büffet eine Herausforderung darstellt, kann ein Hotelaufenthalt Stress für die Gäste bedeuten. In einem Haus wie dem AURA-Hotel wird diesen speziellen Bedürfnissen Rechnung getragen.

Das ganze Haus ist in der Ausstattung und im Service auf blinde und sehbehinderte Menschen eingestellt. Das Hotel besitzt einen eigenen Strandabschnitt, auf dem sich Menschen mit Seheinschränkungen besser zurechtfinden und der durch Orientierungshilfen für diese gut auffindbar ist.

Natürlich hat das Hotel auch einen höheren Personalschlüssel als üblich. Es beschäftigt Begleitpersonal für Ausflüge oder Strandspaziergänge und Servicemitarbeiter, die die Speisekarte vorlesen. In den letzten Jahren war das Haus bereits stärker von den Schwierigkeiten betroffen, Personal zu finden. Auch diese Situation wird durch das Einstellen der Bahnlinie weiter verschärft.

Auch für blinde und sehbehinderte Schleswig-Holsteiner stellt das AURA-Hotel in Timmendorfer Strand einen Ort von besonderer Bedeutung dar. Nicht allein die Freizeit- und Erholungsangebote sind hier wichtig, sondern auch die Möglichkeiten, Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen oder mitzugestalten. Dabei geht es um das ganze Spektrum von der Haltung von Führhunden, Selbsthilfeorganisation, Hilfsmittelnutzung bis hin zu Rehabilitationsmaßnahmen.

Sollte die Bäderbahn eingestellt werden, haben blinde und sehbehinderte Menschen keine Möglichkeit mehr, das Hotel eigenständig zu erreichen. Das ist nicht hinnehmbar und stellt eine Diskriminierung dar.
Als Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus stehen Sie nicht nur in der Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit der Verkehrswege in Ihrem Land, sondern tragen auch eine besondere Verantwortung dafür, dass der Tourismus in der Region keinen Schaden nimmt. Werden Sie dieser Verantwortung gerecht!

(RP/PM)

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