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„Besonders verliebt“: Wie es mit dem Dating läuft, wenn die Kamera aus ist

Das VOX-Format begleitet Menschen mit Behinderung auf der Suche nach der großen Liebe. Einer von ihnen ist Daniel. ROLLINGPLANET-Redakteurin Anke Sieker hat ihn gefragt, was er dabei als kleinwüchsiger Mann erlebt.

Daniel und Lisa sitzen im Café.
Daniel mit seinem Date Lisa. In der VOX-Sendung „Besonders verliebt“ lernte er die angehende Krankenpflegerin näher kennen. (Foto: filmpool)

Die Suche nach der großen Liebe ist oft nicht leicht, mit Behinderung noch schwieriger. Der 25-jährige kleinwüchsige Daniel L. begab sich auf unkonventionelle Art und Weise auf Partnersuche. In der Dating-Show Besonders verliebtlernte er Lisa (22) kennen. Wie es nach der Sendung mit den beiden weiterging und was er von Tinder hält, erzählt er ROLLINGPLANET im Interview.

„Mehr positive als negative Erfahrungen“

Im Oktober haben Sie am neuen VOX-Dating-Format „Besonders verliebt“ teilgenommen – in dem körperlich und geistig beeinträchtigte Singles auf der Suche nach dem richtigen Partner im Mittelpunkt standen. Vorab nachgefragt: Hat sich zwischen Ihnen und Lisa etwas entwickelt?

Wir haben uns tatsächlich auch nach der Sendung noch einige Male gedatet. Aber der Kontakt hat sich inzwischen leider eher verflüchtigt. Wir haben so gut wie keinen Kontakt mehr.

Wie schade, es schien so gut zwischen Ihnen zu passen! Aber darauf kommen wir später noch einmal zurück. Erzählen Sie mir vorab etwas über sich und Ihre Familie?

Ich bin mit meinen Eltern und meinem jüngeren Bruder in Nürnberg aufgewachsen. Zu meiner Familie zähle ich aber auch unsere Nachbarn, die Schwester meiner Mutter und meine Cousins. Wir sind sehr eng miteinander und verstehen uns sehr gut. Meine Eltern sind Russlanddeutsche, ich bin aber in Deutschland geboren.

„Wollte immer irgendwas mit Blaulicht machen“

Sie sind der einzige Kleinwüchsige in Ihrer Familie. Wie sind Sie aufgewachsen?

Meine Eltern haben viel Wert darauf gelegt, dass ich so normal wie möglich aufwachse, keine besondere Behandlung erzielt oder gegenüber meinem Bruder bevorzugt behandelt wurde. Ich hatte glücklicherweise auch vom Kindergarten bis zur Schule keine schlechten Erfahrungen mit Mobbing, was vielleicht auch daran liegt, dass ich sehr ländlich aufgewachsen bin und wir Kinder uns vom Kindergarten bis zur Schule kannten.

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Gab es trotzdem auch negative Erfahrungen?

Klar, gab es auch vereinzelt negative Erlebnisse. Ganz verschont bin ich nicht geblieben. Es gab schon den einen oder anderen dummen Spruch, oder manche Kinder wunderten sich, was mit mir los sei. Ich hatte aber zum Glück mehr positive als negative Erfahrungen und habe überwiegend Positives gehört wie: „Du machst das ganz cool,“ oder „Schön, dass Du so offen und selbstständig bist.“

Meist ist die Fremdwahrnehmung ja eine ganz andere als die Selbstwahrnehmung. Wie war Ihre Selbsteinschätzung in der Kindheit? Kamen manchmal Zweifel auf?

Ich würde sagen, meine Statur war bis zu einer bestimmten Zeit kein Problem. Im Kindergarten überhaupt nicht, in der Schule vereinzelt. Zum Beispiel, wenn ich im Sportunterricht bestimmte Sachen nicht so mitmachen konnte wie die anderen. Auch in Sachen Berufswunsch bin ich natürlich eingeschränkt. Dass ich kein Rettungssanitäter oder Polizist werden kann, ist mir klar. Und wenn Leute auf mich zukommen und mir Lob aussprechen, wie gut ich Dinge meistere, ist mir natürlich auch klar, dass ich anders bin als die anderen.

Was war Ihr Traumberuf in der Kindheit?

Ich wollte immer irgendwas mit Blaulicht machen. Ich war auch bei uns im Ort in der Jugendfeuerwehr und ehrenamtlich beim Rettungssanitäter (ASB) engagiert. Aber das hat sich leider schnell verflüchtigt.

Heute arbeiten Sie in der Büro-Kommunikation, stimmt das?

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Ja, genau.

Inzwischen haben Sie auch Ihre eigene Wohnung in Nürnberg, richtig?

Genau, ich ziehe demnächst um und wohne ganz selbstständig in meiner neuen Wohnung. Es ist auch nichts großartig umgebaut für mich. Klar habe ich einen Tritt oder Hocker, um an die Schränke zu kommen, aber ansonsten brauche ich keine besonderen Hilfsmittel.

„Nie mit ungewaschenen Haaren vor die Tür“

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich würde mich als ehrgeizig, selbstständig, höflich und sympathisch beschreiben. Aber ich weiß auch, dass ich ziemlich stur und ungeduldig sein kann. Insgesamt denke ich, ich bin schon ganz okay, so wie ich bin.

Daniel

„Besonders verliebt“-Kandidat Daniel achtet sehr auf sein Äußeres. (Foto: filmpool)

Kann es sein, dass Sie auch ein bisschen eitel sind? In der Sendung achten Sie vor Ihrem ersten Date mit Lisa besonders auf Ihre Frisur.

Ja, ich achte auf jeden Fall auf mein Äußeres, gehe auch nie mit ungewaschenen Haaren vor die Tür.

Erzählen Sie mir etwas über Ihre ungewöhnlichen Hobbys..

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Ich bin sogenannter Aquarianer, d.h. ich liebe es, mein Aquarium und meine Fische zu versorgen und zu pflegen. Die Faszination kommt sicher von meinem Opa, der immer ein Aquarium hatte, was mir schon als Kind sehr gefallen hat.

Außerdem mag ich den Adrenalinkick beim Auto- und Motorradfahren. Seit 2014 habe ich mein eigenes Auto, welches mir eine gewisse Selbstständigkeit gibt. Weil ich gerne schnell fahre, habe ich auch schon den einen oder anderen Blitzer kassiert. Meine Familie hat auch ein Quad, womit ich sehr gerne fahre. Ich fahre auch sehr gerne Go-Kart. Da ich aber nur die Kinder-Größe fahren kann, bin ich damit immer langsamer als meine Kumpels unterwegs. Als Ausgleich zum Bürojob gehe ich abends auch gerne ins Fitnessstudio und mache klassisches Krafttraining.

„Mehr als Freundschaft ist meist nicht“

Kommen wir zu Ihrem TV-Auftritt. Wie kam es zur Teilnahme?

Ich habe mal vor drei oder vier Jahren ein Profil bei einer Casting-Agentur für Menschen mit Handicap erstellt. So wurde auch Filmpool auf mich aufmerksam. Das Konzept der Sendung und die Botschaft, dass man Leute mit Handicap nicht auf den ersten Blick beurteilen sollte und auch ihnen eine Chance – in diesem Fall für die Liebe – geben sollte, fand ich interessant.

Was waren die Reaktionen auf die TV-Sendung?

Ich habe überraschend nur positives Feedback bekommen – sei es von meiner Familie, Freunden oder Fremden. Neulich, im Edeka, hat mich sogar die Kassiererin auf die Sendung angesprochen. Es hat sich auch ergeben, dass sich nach der Sendung über Instagram zwei Mädels bei mir gemeldet haben, die mich sympathisch fanden. Mit ihnen stehe ich jetzt auch in Kontakt. Bisher sind wir nur im schriftlichen Kontakt, aber wir wollen uns auch näher kennenlernen.

Zum Thema Liebe. Ist es richtig, dass Sie noch nie eine Freundin hatten?

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Nein, ich hatte noch keine feste Beziehung, nur kurze Dates oder Flirts. Frauen reagieren meist distanziert, mehr als Freundschaft ist meist nicht.

Hat Sie das frustriert?

Ja, wenn man immer nur gibt, aber kein positives Feedback bekommt oder ein Erfolgserlebnis hat, verliert man natürlich auch irgendwann die Motivation und hat Hemmungen.

Was ist für Sie der schwierigste Moment, wenn Sie eine Frau ansprechen? Oder flirten Sie grundsätzlich nicht?

Ich würde schon sagen, dass ich ein Flirttyp bin. Früher habe ich auch spontan Mädels angesprochen oder angeschrieben. Aber, wie gesagt, nachdem ich einige Male einen Korb bekommen habe, irgendwann die Motivation verloren. Trotzdem gehört Flirten für mich beim näheren Kennenlernen schon dazu. Allgemein sagen mir die Leute auch, dass ich sehr selbstbewusst bin. Dagegen bin ich bei Frauen tatsächlich oft ein bisschen verunsichert. Frauen stehen ja meist auf Männer, die größer sind als sie selbst, und ich denke mir, sie kommen bestimmt nicht mit meiner Größe klar. Das kann ich auf Anhieb natürlich nicht einschätzen und trägt zu meiner Verunsicherung beim ersten Kennenlernen bei.

„Tinder ist überhaupt nicht mein Ding“

Auf welchen Typ Frau stehen Sie?

Was das Äußerliche betrifft, habe ich kein spezielles Beuteschema – wie man so schön sagt.

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Klar sollte es schon passen, deshalb sollte sie schon eher klein und zierlich sein. Spontan gefallen mir besonders brünette und schwarzhaarige Mädchen. Was ihren Charakter betrifft, sollte sie liebevoll, höflich, vielleicht auch, wie ich, ein bisschen ehrgeizig sein und bereit sein, mit dem Partner durch Höhen und Tiefen zu gehen.

Würden Sie auch mit einer kleinwüchsigen Frau oder einer Frau mit einer anderen Behinderung eine Partnerschaft eingehen?

Letztendlich kommt es doch auf den Menschen an. Wenn beide körperlich eingeschränkt sind, gibt es wahrscheinlich mehr Gemeinsamkeiten und ein größeres Verständnis für den anderen. Ich habe auch schon kleinwüchsige Frauen gedatet und festgestellt, dass es zwischen uns nicht passt.

In der Sendung „Besonders verliebt“ hatte Daniel mehrere Dates mit Lisa, die er in einem Dating-Portal kennengelernt hat. (Foto: filmpool)

Wie haben Sie das „Speeddating“ in der Sendung empfunden?

Ich fand es sehr oberflächlich und nicht so toll. Für „normale“ Menschen ist es vielleicht eine coole Art, in einer kurzen Zeit viele Personen kennenzulernen und abzuchecken, ob es matched. Aber ich möchte ungern nur auf den ersten Blick beurteilt werden. Ich hatte auch bei der Sendung das Gefühl, dass einige Mädels mit der Situation überfordert waren. Tinder oder LOVOO ist deshalb auch überhaupt nicht mein Ding.

Vor der Sendung haben Sie sich beim Dating-Portal „Handicap Love“ angemeldet. Haben Sie dabei je anzügliche oder schräge Erfahrungen mit Frauen gemacht?

Speeddating und Partnerportal-Erfahrung hatte ich vor der Sendung tatsächlich noch nicht. Und hier kamen auch keine merkwürdigen Zuschriften. Ich hatte aber mal über Instagram eine Anfrage von einer älteren Dame, zwischen 40 und 50, die gerne mit mir ausgehen wollte. Darauf bin ich allerdings nicht eingegangen.

„Bisher hat sich noch keine beschwert“

Wie wurde in Ihrer Familie mit dem Thema Sexualität umgegangen? Hatten Sie das Gefühl, dass das Thema Sexualität in Ihrer Erziehung anders behandelt oder tabuisiert wurde?

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Ich würde sagen, wir sind eine sehr offene Familie. Bei uns ist es generell so, das wir über alles reden. Ich wurde auch von meiner Mutter aufgeklärt. Ich habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht, dass das für mich ein Problem sein könnte.

Stellen Ihnen Frauen Fragen zum Thema Sex?

Nein, das hat mich auch gewundert. Ich dachte schon, dass die Frage irgendwann mal kommt. Bisher hat sich aber auch noch keine beschwert.

Das heißt, sexuelle Beziehungen hat Sie bereits?

Ja, Sex schon. Aber keine feste Beziehung.

Verraten Sie mir etwas über Ihr erstes Mal – wer sie war?

Sie war eine normal große Frau. Und ich denke, es war nicht anders als bei anderen auch. Wir wurden zwar kein Paar, waren danach aber noch befreundet.

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„An mir lag’s jedenfalls nicht“

Über „Handicap Love“ machte Lisa den ersten Schritt, wollte Sie kennenlernen. Wie war Ihr erster Eindruck bei Ihrem ersten Kennenlernen?

Sehr sympathisch, aufgeschlossen und unvoreingenommen. Dadurch, dass ich in ihrem Steckbrief gelesen hatte, dass sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerin macht, dachte ich mir: „Sie hat auf jeden Fall eine soziale Ader“, was sicherlich auch das Verständnis für Leute mit Handicap betrifft und meine Chancen bei ihr erhöht. Ich fand sie auch auf Anhieb äußerlich sehr hübsch. Der erste Eindruck war insgesamt sehr positiv.

Welche Gefühle hatten Sie beim ersten Date?

Ich hatte mir auf jeden Fall vorgenommen, dass ich nicht „verkack“ und alles richtig mache.

Klar ist der Druck, wenn man eine Person mag, sie attraktiv und sympathisch findet, entsprechend höher, so gut wie möglich rüberkommen zu wollen.

Danach hatten Sie noch einige Dates im Privaten, d.h. ohne Kamera?

Genau. Lisa kommt aus dem Raum Düsseldorf, und ich habe sie besucht.

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Daniel und Lisa

Daniel hatte gute Gespräche mit Lisa, der Funke ist aber nicht übergesprungen. (Foto: filmpool)

Wie hat sich dort Ihr Kennenlernen entwickelt?

Sie hat mir die Stadt gezeigt, wir sind essen gegangen, und es war sehr entspannt im Vergleich zum ersten Date. Zu der Zeit war auch mein Eindruck noch ganz gut. Wir hatten auch gute Gespräche.

Warum hat es trotzdem nicht funktioniert?

Das kann ich Ihnen leider auch nicht sagen. An mir lag’s jedenfalls nicht. Ich hatte Interesse und hab’s, glaube ich, auch gezeigt. Ich glaube, sie wollte vielleicht erstmal doch keine feste Beziehung haben.

Wie schade! Kam’s denn zum ersten Kuss?

Nein, leider nicht. Ich bin, sozusagen, umsonst nach Düsseldorf gefahren.

Was haben Sie, im Nachhinein, durch die Teilnahme an der Sendung für sich persönlich mitgenommen?

Klar, zuerst einmal die Erfahrung, die ich machen konnte. Vor allem mit dem positiven Feedback, das ich bekommen habe, was mich auch in meinem Selbstbewusstsein bestärkt hat. Natürlich auch, dass sich neue Kontakte ergeben haben, ich es auch weiterhin versuchen möchte.

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Wohnen die jungen Frauen, die Kontakt über Instagram aufgenommen haben, in Ihrer Nähe?

Nein, leider auch weiter entfernt. Aber für die Liebe nehme gerne eine längere Fahrt auf mich.

Was sind Ihre allgemeinen Zukunftspläne und Herausforderungen?

Immer noch eine Partnerin zu finden, endlich mal den Deckel zum Topf zu finden.

Dabei wünsche ich Ihnen von Herzen viel Glück!

(RP)

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