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Bildung & Karriere

Begnadet anders – mit Handicap erfolgreich im Beruf

Der Münchner Dominic Eikerling ist mehrfach beeinträchtigt. Als er seinen Job verlor, war das für ihn frustrierend. Wie er sich dennoch auf dem Arbeitsmarkt behauptet hat, beschreibt ROLLINGPLANET-Redakteurin Anke Sieker.

Dominic Eikerling mit Senior Hans-Joachim L.
Dominic Eikerling (l.) war früher Steuerfachangestellter. Heute betreut er nach einer Umschulung pflegebedürftige Senioren. (Foto: Anke Sieker)

Der Tastsinn von Blinden, das feine Gespür von Gehörlosen oder eine Inselbegabung bei Autisten: Menschen mit Beeinträchtigung werden, entgegen ihrer oft ungeahnten Talente, beruflich immer wieder unterschätzt. ROLLINGPLANET porträtiert den Münchner Dominic Eikerling, der körperlich mehrfach beeinträchtigt ist. Aufgrund eines Speiseröhrenverschlusses direkt nach der Geburt musste er sich diversen Operationen unterziehen. Er ist auf dem rechten Ohr taub, hat eine funktionseinschränkende Verformung der Wirbelsäule und ist zusätzlich durch einen chronischen Tremor – eine Störung des Nervensystems – körperlich eingeschränkt.

Jobberaterin machte wenig Hoffnung

Als Dominic Eikerling (48) seinen Job als Steuerfachangestellter verlor, war der Gang zur Agentur für Arbeit zunächst frustrierend. „Ursprünglich habe ich Steuerfachangestellter gelernt, doch aufgrund zunehmender Konzentrationsschwierigkeiten hatte ich Probleme im Beruf, und im Grunde empfand ich die Steuergesetze sowieso schon länger als trockene Materie. Also musste und wollte ich mich umorientieren.“

Mit den üblichen Floskeln wie schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt, mangelnde Qualifikation und natürlich seine körperliche Beeinträchtigung, machte die Jobberaterin ihm jedoch anfangs wenig Hoffnung.

Also ergriff Dominic Eikerling selbst die Initiative: „Während meiner Arbeitslosigkeit hatte ich das Bedürfnis, mich zu engagieren. Also fragte ich bei der Nachbarschaftshilfe in meinem Wohnort Fürstenfeldbruck nach, ob sie Unterstützung für die ehrenamtliche Arbeit bräuchten. So machte ich erste Erfahrungen im sozialen Bereich, bei Hilfeleistungen für ältere Menschen. Und weil ich generell ein hilfsbereiter Mensch bin, kam ich auch ganz gut an. So ergab sich meine jetzige Tätigkeit im Pflegebereich. Und ich muss sagen: Diese Arbeit macht mir unheimlich viel Spaß und erfüllt mich. Der Kontakt zu den pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren und die Zusammenarbeit mit behinderten Menschen bereichern mich extrem, und ich habe dadurch auch viele neue Erfahrungen für mich selbst gesammelt. Dass ich so ein empathischer Mensch bin, wusste ich vorher noch gar nicht.“

Umschulung enthüllte verborgene Talente

Auslöser für seine neue Tätigkeit war die Kontaktaufnahme mit dem Münchner Sozialunternehmen „Elf Freunde müsst ihr sein“ – ein Verein für moderne Dienstleistungen und Bildung, zugleich Tochterunternehmen der Isar-Würm-Lech Werkstätten (IWL) gGmbH – welches unter anderem Arbeitsplätze für Menschen mit Handicaps mit einem breiten Dienstleistungsangebot schafft.

„Aufgrund meiner ehrenamtlichen Arbeit hatte mir meine Jobberaterin den Tipp gegeben, eine Umschulung im Bereich Pflege zu machen, und schlug vor, eine Fortbildung bei den Elf Freunden zu absolvieren. Das machte mich zuversichtlich.“

Tatsächlich macht sich der Verein die Mühe, auch verborgene Talente und Potenzial – Stärken, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind – aufzuspüren, weiß diese zu schätzen und die individuellen Begabungen für innovative Dienstleistungen einzusetzen. Denn jeder Mensch verfügt über besondere Fähigkeiten – man muss sie nur entdecken.

„Elf Freunde“-Betriebsleiter Roland Nagl: „Unser Unternehmen gibt es seit sieben Jahren, es ist eine hundertprozentige Tochter der IWL – Werkstätten und Förderstätten für Menschen mit Behinderungen. Der Hauptsitz mit zwei Betrieben ist in Landsberg am Lech. Es gibt einen Betrieb im Landkreis Starnberg sowie in München, mit heute insgesamt 700 Mitarbeitern.“

Aus dem Bereich kam auch Roland Nagl, bevor die Idee für „Elf Freunde müsst ihr sein“ entstand.

„Unsere ursprüngliche Überlegung war: Wie schaffen wir es, dass die Quote der Menschen, die in der Werkstatt arbeiten, für den Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt erhöht wird? Denn diese Quote ist bundesweit nach wie vor sehr niedrig. Und so wuchs mehr und mehr die Idee, eine Firma zu gründen, die den Zweck hat, Menschen mit Behinderungen – je nach ihren Qualifikationen und Talenten – in den ersten Arbeitsmarkt zu führen. Das heißt nach den Kriterien: Was mögen sie? Was können sie? Und was geht gesundheitlich? Unser allgemeines Ziel war also, dass die Menschen auf dem Weg einen höheren Grad an Selbstständigkeit bekommen, dass sie selbst versichert sind und auch Renten- und Arbeitslosengeldansprüche haben.“

Inzwischen gibt es das Unternehmen seit 2015 und es hat sich auf dem Arbeitsmarkt etabliert.

Dominic Eikerling und Roland Nagl im Büro

„Elf Freunde“-Betriebsleiter Roland Nagl (l.) mit Dominic Eikerling im Büro. (Foto: Anke Sieker)

„Heute haben wir 60 Mitarbeiter, von denen knapp die Hälfte behindert ist, also sowohl körperliche Beeinträchtigungen als auch kognitive und psychische Einschränkungen hat. Zu uns kommen Leute, die das, was sie mal gelernt haben, nicht mehr ausüben können oder alles Mögliche ausprobiert haben, aber arbeitslos sind. Wir fördern sie ein Stück weit über verschiedene Qualifizierungs- und Beratungsangebote. Und in den meisten Fällen ergibt sich daraus eine Anstellung in unseren Betrieben.“ Das wird inzwischen auch von einem Kundenstamm von rund 170 Personen gut angenommen.

„Wir haben in der Region München vier Betriebe. Ein Betrieb, für den auch Herr Eikerling arbeitet, ist „Freunde helfen“. Hier geht es um Betreuung und haushaltsnahe Dienste. Außerdem ist Herr Eikerling auch für einen weiteren Betrieb, den ambulanten Pflegedienst „Freunde pflegen“, weitergebildet worden und seitdem im Einsatz, so dass er zusätzlich grundpflegerische Leistungen übernehmen kann. Daneben betreiben wir noch Schulkantinen und eine Gebäudereinigung. Außerdem haben wir eine Bildungssparte, in der wir Alltagsmanager ausbilden. Der Kurs, den auch Herr Eikerling vor vier Jahren besucht hat, dauert sechs Monate, wobei der Anteil zur Hälfte die ‚Betreuungskraft nach § 53c‘, die andere Hälfte den Bereich Hauswirtschaft abdeckt,“ erklärt der Betriebsleiter.

Eine sinnvolle und dankbare Aufgabe

Seit vier Jahren ist Eikerling nun bei den Elf Freunden angestellt, bekommt ein festes Gehalt und ist sehr glücklich mit seiner Arbeit, „weil sie sinnvoll und eine dankbare Aufgabe ist, und ich durch den Kontakt zu pflegebedürftigen Personen auch sehr viel zurückbekomme – denn die Leute freuen sich, wenn ich zu ihnen komme. Diese Dankbarkeit ist etwas sehr Schönes, sogar Freundschaften haben sich dadurch entwickelt, und man schüttet sich gelegentlich auch gegenseitig sein Herz aus.“

Momentan betreut er in seiner 20-stündigen Halbtagsstelle an fünf Tagen die Woche eine 96-jährige Frau und einen 86-jährigen alleinstehenden Mann. Zwischendurch springt er spontan ein, wo Bedarf ist. Und manchmal gibt es Momente, wo ihm seine Arbeit ziemlich nahegeht.

Dominic Eikerling unterhält sich mit Herrn L.

Dominic Eikerling (l.) nimmt sich immer gerne Zeit für ein Gespräch mit seinen Kunden. (Foto: Anke Sieker)

„Wenn ich teilweise mitbekomme, wie die Menschen unter der Alters-Einsamkeit leiden, nimmt mich das schon sehr mit. Die 96-jährige Seniorin, die auch meine älteste Kundin ist, hat weder Angehörige noch die Möglichkeit rauszugehen, weil es in ihrer Wohnanlage keinen Aufzug gibt. Das heißt, sie hält sich 24 Stunden, sieben Tage lang, nur in ihrer Wohnung auf. Sie hat niemanden mehr, ihr Ehemann ist schon tot, auch ihre Geschwister, und jedes Mal, wenn ich gehen muss, sagt die alte Dame: ‚Was, Herr Eikerling, Sie gehen schon?!‘ Das tut mir schon ein bisserl in der Seele weh. Deshalb ist mir immer auch wichtig, dass ich wenigstens ein paar Minuten mit den Leuten rede, manchmal sogar Gesellschaftsspiele mit ihnen spiele.“

Normalerweise ist das Pflegepersonal ja meist schnell wieder weg, da es einen straffen Zeitplan hat. Eikerling nimmt sich auch darüber hinaus Zeit für ein Gespräch.

„Ich stelle bei den alten Menschen immer wieder fest, dass sie extremen Gesprächsbedarf haben, gerne von sich erzählen und es sehr schätzen, wenn ihnen jemand zuhört. Wenn sie mir dann von früher, ihrer Jugend und ihrer Familie erzählen, blühen sie regelrecht auf.“

Ganze zwei Stunden kann sich Eikerling für seine Kunden Zeit nehmen und nimmt sich auch gerne die Zeit für Persönliches.

Seit Herbst arbeitet er außerdem als Servicekraft in einer Kantine für behinderte Menschen. „Dort helfe ich den Leuten im Rollstuhl zum Beispiel, das Tablett an ihren Platz zu bringen oder auch das Fleisch klein zu schneiden. Das Beeindruckendste an den behinderten Menschen ist für mich, dass sie trotz ihrer Beeinträchtigung fast immer fröhlich sind. Ich hatte mal einen Kunden, der ist blind und spielt sogar im Orchester Posaune. Seine Noten hat er alle nur im Gedächtnis und kann trotzdem mit dem Orchester mithalten. Auch privat nimmt er voll am Leben teil, ist Klassikfan und geht auch gerne auf Konzerte. Das finde ich absolut bewundernswert!“

Doch obwohl sich die beiden sehr gut verstanden, musste sich Eikerling in diesem Fall seine eigene körperliche Beeinträchtigung eingestehen. „Die Zusammenarbeit war leider ein bisschen schwierig, weil der Mann extrem auf sein Gehör angewiesen ist, und ich aufgrund meiner leisen, heiseren Stimme, gerade wenn wir zum Beispiel draußen im lauten Straßenverkehr unterwegs waren, schwer für ihn verständlich war. Das war schade, weil wir uns sehr mochten.“

Die Chemie muss stimmen

Umso wichtiger ist deshalb, dass Beeinträchtigungen auf beiden Seiten vorab berücksichtigt werden. Und natürlich sollten sich Pfleger und Pflegebedürftige sympathisch sein. Roland Nagl von „Elf Freunde müsst ihr sein“: „Vereinzelt gibt es auch geschlechtsspezifische Rückmeldungen von Kunden, die lieber von einem Mann, andere von einer Frau betreut werden möchten, was in Sachen Körperpflege natürlich verständlich ist.“

Auch für Eikerling ist es „ganz wichtig, dass zwischen dem Pfleger und der zu betreuenden Person die Chemie stimmt.“ So wie zwischen ihm und dem gebürtigen Leipziger Hans-Joachim L., den er seit zwei Jahren betreut.

Berührungsängste aufgrund Eikerlings eigener körperlichen Beeinträchtigungen gab es für den 86-Jährigen nie.

„Ich bin da vollkommen offen. Wenn jemand Probleme in Form einer Behinderung hat, ist es mir egal. Solange er seinen Job gut macht, bin ich zufrieden. Und das macht er. Ich lege Wert darauf, dass meine Pflegeperson alles ordentlich macht, und bei der Körperpflege, die ja etwas sehr Persönliches ist, sollte natürlich auch die Chemie stimmen. Herr Eikerling ist sehr korrekt, wir sind uns sympathisch, wir reden miteinander und hatten auch nie Probleme. Insofern bin ich sehr zufrieden.“

Bei der Zusammenarbeit wird andererseits auch kein Blatt vor den Mund genommen. Eikerling: „Wenn Herrn L. was nicht passt, dann sagt er es auch gerade heraus. Aber das ist ja auch gut so.“

Dominic Eikerling zieht Herrn L. die Schuhe an

Hans-Joachim L. (r.) ist mit der Pflege von Dominic Eikerling rundum zufrieden. (Foto: Anke Sieker)

Pflegebedürftig ist der frühere Berufssoldat und ehemals sehr aktive 86-Jährige seit zwei Jahren. „Ich hatte schon vorher Probleme gesundheitlicher Art, weil ich vor 20 Jahren einen schweren Autounfall hatte. Es war ein Selbstmörder, der mich frontal zusammengefahren hat. Danach lag ich ein paar Wochen im Krankenhausen, hatte Gesichtsverletzungen, einige Rippen gebrochen und ein Bein war so schwer verletzt, dass ich es nicht mehr seitlich bewegen konnte, deshalb Gehschwierigkeiten hatte.

Schlimmer wurde mein Zustand, als 2019 ein Tumor an der Niere festgestellt wurde und die Operation aufgrund der Pandemie verschoben wurde. Das heißt, mein Zustand verschlechterte sich, der Tumor wuchs weiter, und im Endeffekt stellte sich heraus, dass dadurch auch die Bauchspeicheldrüse angegriffen wurde, weshalb zweimal nachoperiert werden musste. Noch dazu hatte ich Pech und bin im Krankenhaus hingefallen. Deswegen war ich insgesamt zehn Wochen lang im Krankenhaus, danach sieben Wochen lang in der Reha.“

So nahm das Schicksal seinen Lauf: Hans-Joachim L. wurde zum Pflegefall, und seine Wohnung im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses im Münchner Stadtteil Moosach, in der er bisher 40 Jahre unbeschwert gelebt hatte, war nicht mehr funktionell und musste behindertengerecht umgestaltet werden.

„Hier habe ich schon mit meiner 2012 verstorben Frau Sylvia gewohnt, mit der ich 52 Jahre verheiratet war. Aus unserer Ehe stammen zwei Söhne. Und weil ich seit dem Tod meiner Frau alleine lebe und meine Söhne weit weg, der eine in Salzburg, der andere in Rottweil in Baden-Württemberg, war es anfangs organisatorisch etwas schwierig, alleine klarzukommen. Glücklicherweise hat mir mein Ältester (60) sehr geholfen und sich extra Urlaub genommen, um meine Wohnung behindertengerecht umzubauen. Denn am Anfang konnte ich mich kaum bewegen, habe es nur noch mit Rollator vorwärts geschafft und hatte entsprechend Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Treppe rauf ging, aber Treppe runter nicht mehr.“

Jede Kleinigkeit wurde für Hans-Joachim L. zum Problem. „Ich war total an die Wohnung gebunden, weil ich nicht rauskonnte. Wenn ich zum Beispiel für meine Steuererklärung eine Unterlage brauchte, musste ich sie jedes Mal persönlich bei der jeweiligen Institution abholen. Ohne Hilfe kam ich also nicht mehr aus. Was ich vorher auch nicht wusste: Auch ein Taxifahrer ist nicht dazu verpflichtet, mir in die Wohnung zu helfen, sondern sein Vertrag gilt nur bis vor die Haustür. Alles andere ist Wohlwollen und muss man vorher abklären. Glücklicherweise unterstützt mich mein Sohn aus Rottweil mit den finanziellen Angelegenheiten und beim Online-Banking. Trotzdem gibt es genug Anderes, was anfällt.“

Aufgrund der Pandemie wurden zudem soziale Kontakte eingeschränkt, so wuchs auch bei Herrn L. die Einsamkeit.

Herr L. sitzt im Sessel und löst ein Kreuzworträtsel

Der fehlende persönliche Kontakt war für Rentner Hans-Joachim L. während der Corona-Pandemie schwer. Er beschäftigte sich mit Lesen und Kreuzworträtseln. (Foto: Anke Sieker)

„Bei der Diakonie und AWO haben wir früher oft in der Gruppe zusammengesessen, Karten gespielt oder miteinander geredet. Das findet momentan nicht statt. Mir fehlt der persönliche Kontakt sehr, dafür beschäftige ich mich momentan mit Lesen oder Kreuzworträtsellösen, höre sehr viel Radio oder schaue Fernsehen. Meine Söhne und ich treffen uns aufgrund der Entfernung normalerweise nur einmal im Jahr, meist zu den Geburtstagen. Auch meine drei Enkel und mein Urenkelkind sehe ich entsprechend selten. Ich kann sie leider auch nicht besuchen, weil beide Söhne mit ihren Familien in einer zweistöckigen Wohnung wohnen, wo ich beim Treppensteigen Schwierigkeiten habe. Deshalb konnten wir auch Weihnachten nicht gemeinsam feiern.“

Lange Suche nach Pflegeperson

In dieser Situation musste eine Pflegeperson gefunden werden. Hans-Joachim L.: „Erst habe ich es bei der Diakonie, dann bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) versucht, wo ich bei beiden Mitglied bin. Doch ich erhielt von beiden Stellen die Antwort, dass sie ausgebucht seien. Nur durch Zufall habe ich von der Organisation ‚Elf Freunde müsst ihr sein‘ gehört, die mir helfen konnte. Zu der Zeit waren sie noch im Aufbau. Das heißt, anfangs konnten sie mir nur jemandem im Bereich Hauswirtschaft zur Verfügung stellen, inzwischen auch für die Pflege. Das bedeutet: Es kommt drei Mal die Woche jemand für die Pflege – weil ich mich nicht mehr selber waschen und meine Stützstrümpfe anziehen kann. Und zusätzlich jemand für die Hauswirtschaft. Wenn ich also weiß, dass Herr Eikerling kommt, gebe ich ihm vorab telefonisch durch, was er einkaufen soll. Zu seinen hauswirtschaftlichen Arbeiten gehört zum Beispiel, das Bad nach der Pflege, die er ja auch übernommen hat, wieder aufzuräumen, die Waschmaschine ein- und auszuräumen oder mein Bett zu machen. Das ist das, was die sogenannte ‚kleine Hauswirtschaft‘ beinhaltet. Ansonsten kommt alle 14 Tage eine Reinigungsfrau, die mir ebenfalls die Elf Freunde vermitteln konnten.“

Dominic Eikerling stellt das Programm an der Waschmaschine ein

Zu den Aufgaben von Dominic Eikerling gehört auch die „kleine Hauswirtschaft“. (Foto: Anke Sieker)

Auch für Roland Nagl ist Eikerling eine Bereicherung: „Er ist sehr empathisch, er ist sehr zuverlässig, kann gut zuhören. Er ist flexibel und kann sich auf verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Zuständen einstellen. Herr L. ist zum Beispiel geistig klar, dafür nicht beweglich. Andere haben vordementielle Erscheinungen und sind verwirrter – und er kommt mit allen sehr gut zurecht. Deshalb schätzen wir Herr Eikerling als einen sehr kompetenten Mitarbeiter.“

Wenn man Eikerling fragt, wie er seine jetzige Arbeit im Vergleich zu seinem ursprünglichen Beruf empfindet, antwortet er spontan: „Der persönliche Kontakt zu den Menschen, meine Arbeit mit älteren und auch behinderten Menschen, gibt mir extrem viel. Die Leute schätzen es, dass ich ihnen zuhöre, mit ihnen rede, und ich habe das Gefühl, gebraucht zu werden. Meine Arbeit wird gewürdigt. Und jedes Mal, wenn mir Herr L. seine Dankbarkeit ausspricht oder mich ‚meine‘ ältere Dame anstrahlt, geht mir das Herz auf. Das ist doch was Wunderschönes. Früher war ich eher ein schüchterner Mensch. Durch den Kontakt zu den Menschen komme ich mehr aus mir raus.“

Auch künftig möchte Eikerling seine/n neue/n Beruf/ung ausüben. „Ich möchte weiterhin für die Elf Freunde arbeiten und ihre Kunden betreuen, gerne zukünftig auch noch mehr im Pflegebereich – weil ich die Arbeit mit Menschen mag und sie mir auch einen Sinn gibt.“

(RP)

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