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Bedrohung durch Giftköder: Wie Hundehalter ihr Tier schützen können

Immer häufiger machen Warnungen den Besitzern zu schaffen. Damit Ihr Vierbeiner nicht in Gefahr gerät, können Sie ihn entsprechend trainieren. Wie das funktioniert und was im Notfall zu tun ist, erfahren Sie hier. Von Sabine Maurer

in Border Collie schnüffelt sich durch sein Revier.
Vergiftete oder mit gefährlichen Gegenständen gespickte Köder jagen Hundefreunden immer wieder Angst ein. (Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Unter Hundehaltern grassieren immer wieder Warnungen vor Giftködern. Meldungen wie „Hundeköder mit Rasierklinge entdeckt“, „Hund frisst vergiftetes Brot und muss eingeschläfert werden“ oder „Welpe frisst Giftköder“ machen rasch die Runde von Handy zu Handy. Vielen Hundebesitzern wird dabei flau im Magen.

„Wie häufig Giftköder ausgelegt oder von Hunden gefressen werden, wird leider nirgendwo erfasst“,

sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Und es ist auch unbekannt, wie viele der Giftköder-Meldungen überhaupt stimmen – und wie häufig Hundehalter grundlos in Angst und Schrecken versetzt werden.

Hundetrainerin Franziska Herre aus Erfurt ist bei diesem Thema skeptisch. „Ich teile nur bestätigte Meldungen“, sagt sie. Schließlich kann jeder irgendetwas fotografieren, dieses als „Giftköder“ bezeichnen und zusammen mit einem warnenden Text in die digitale Welt entlassen. Damit hätten Menschen, die Hund und Halter aus einem bestimmten Gebiet vertreiben wollen, ohne großen Aufwand ihr Ziel erreicht. Meldungen, die in den sozialen Medien grassieren, sind häufig von offizieller Seite nicht bestätigt.

Hundehalter sollten nur bestätigten Fällen trauen

Die Trainerin rät besorgten Hundehaltern zum einen, sich eine Warn-App aufs Handy zu laden, die nur vor den Fällen warnt, die von den Behörden bestätigt wurden. Zudem sollte sich bei einer unbestätigten Warnung bei den Behörden – also bei der Polizei oder beim Veterinäramt – erkundigt werden, ob diese etwas von Giftködern wissen. Und sie empfiehlt, bei einer entsprechenden Warnung dem Hund beim Gassigang einen Maulkorb aufzuziehen, so dass er nichts fressen kann.

Ein typischer Giftköder ist ein mit einer Rasierklinge präpariertes Stück Fleischwurst.

Ein typischer Giftköder ist ein mit einer Rasierklinge präpariertes Stück Fleischwurst. (Foto: Marcel Kusch/dpa)

Laut Tierschutzbund handelt es sich bei Giftködern zum Beispiel um Würstchenstücke, in denen Rasierklingen, Nadeln, Reißzwecken oder giftige Substanzen – etwa Schneckenkorn – untergemischt wurden. „Manchmal sind die ausgelegten Köder gar nicht für Haustiere gedacht, sondern sollen andere Tiere wie Ratten oder Mäuse schädigen“, sagt Schmitz. Vergiften könnten sich Hunde auch bei der Aufnahme von Schokolade, zuckerfreien Kaugummis, Haushaltsreinigern oder giftigen Pflanzen.

In vielen Hundeschulen werden längst Anti-Giftköder-Trainingskurse angeboten, so auch bei Franziska Herre. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren gestiegen. „Eine hundertprozentige Versicherung, dass nichts passiert, ist ein solches Training nicht“, gibt sie zu. „Aber es verringert die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund einen Köder frisst.“

Mit dem Training schon im Welpenalter beginnen

Am besten wird mit dem Training im Welpenalter begonnen, das Zauberwort heißt wie so oft in den Hundeschulen „Impulskontrolle“. Schon die jungen Hunde sollen lernen, auf einen Impuls – etwa ein verlockendes Leckerli in Reichweite – nicht sofort zu reagieren, sondern abzuwarten. So entwickeln sie Nervenstärke.

Laut Herre gibt es mehrere Ansätze im Anti-Giftköder-Training. Zum Beispiel wird dem Hund schlicht verboten, überhaupt etwas zu fressen, wenn es ihm nicht ausdrücklich erlaubt wurde. Um ihm das beizubringen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. So wird etwa Futter hingehalten oder fallengelassen, will der Hund es nehmen, geht die Hand zu oder der Fuß aufs Futter. „Verstanden haben sie das in zwei Minuten, aber dann geht es ans Generalisieren“, so die Erfahrung von Herre.

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Übung nicht nur einseitig an bestimmten Orten

Denn Hunde lernen sehr ortsbezogen. Wenn sie an einem Ort kein Futter nehmen dürfen, bedeutet das für sie nicht, dass diese Regel überall gilt. Um ihnen das beizubringen, müssen Besitzer fleißig sein und mit dem Hund in etlichen Alltagssituationen an vielen Orten trainieren.

„Ein häufiger Fehler ist es, aus dem ‚Nein‘ ein ‚Ja‘ werden zu lassen“,

so Herre. So wird dem Hund zum Beispiel verboten, ein Leckerli aus der Hand zu nehmen. Ist er daraufhin artig, bekommt er jedoch genau dieses Leckerli. Herre rät dringend, den Gehorsam des Tieres in solchen Fällen mit anderen Leckerlis aus der anderen Hand zu belohnen. Das Futter, das den Reiz ausgelöst hat, sollte der Hund nie bekommen.

Eine weitere Trainingsmöglichkeit ist der Rückruf. Dazu wird etwa auf eine Wiese Futter gelegt, der Hund rennt hin – und wird noch vor dem Erreichen vom Besitzer zurückgerufen. Gehorcht der Hund, bekommt er eine großzügige Belohnung. Zur Sicherheit hat er eine Schleppleine am Geschirr. Sollte er nicht gehorchen, können Besitzer ihn so stoppen.

Hund sollte lernen: Der Tausch lohnt sich für mich

Auch Tauschgeschäfte haben sich bewährt. Dabei lernt der Hund, dass er seinem Menschen etwas geben kann und dafür etwas Tolles bekommt. Trainiert wird dies anfangs mit Sachen, die er nicht sonderlich spannend findet. Im Tausch bekommt er dafür etwas, das mehr nach seinem Geschmack ist. Hat der Hund gelernt, dass sich ein Tausch für ihn lohnt, gibt er im Ernstfall wahrscheinlich auch einen Giftköder her.

Giftköder-Training im Wald

Eine Antigiftköder-Trainingsübung ist der Rückruf. Hierbei wird zum Beispiel im Wald ein Stück Futter ausgelegt. Rennt der Hund hin, wird er vor dem Erreichen zurückgerufen. Gehorcht er, bekommt er ein Leckerli. (Foto: Benjamin Nolte/dpa)

Trotzdem kann es zum Ernstfall kommen – beim Verdacht auf eine Vergiftung muss der Hund sofort zum Tierarzt. Allerdings ist die Diagnose nicht immer einfach. „Je nach aufgenommener Substanz äußern sich Vergiftungen sehr vielfältig“, so Lea Schmitz vom Tierschutzbund.

Mögliche Symptome seien Speicheln, Würgen, Erbrechen, teils blutige Durchfälle, Zittern, Schwanken, Unruhe und Hecheln. Auch Krämpfe, Atemnot, blaue oder sehr blasse Schleimhäute sowie benommenes oder apathisches Verhalten könnten eine Vergiftung anzeigen.

Erbricht sich das Tier, sollten die Besitzer als Erste Hilfe darauf achten, dass die Atemwege frei sind. Bei einem Atemstillstand ist eine Herzdruckmassage sinnvoll: Dabei wird der Hund auf die Seite gelagert und rhythmisch gegen die linke Brustwand gedrückt. Bei großen Hunden werden hierfür beide Hände genommen, bei kleinen Tieren reicht eine Hand.

(RP/dpa/tmn)

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