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Gesellschaft & Politik

Bayerischer Lehrerverband: „Inklusion darf kein Sparmodell sein“

In einer Umfrage hielten 97 Prozent der Pädagogen echte Inklusion unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für nicht realisierbar. Dabei müsse die Landesregierung in der Pflicht genommen werden, so der Verband.

Mädchen im Rollstuhl in einem Klassenzimmer
97 Prozent der befragten Lehrkräfte halten laut BLLV die Inklusion unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für nicht realisierbar.(Foto: Shutterstock)

Bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung fühlen sich Lehrkräfte nach Einschätzung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) allein gelassen. Der BLLV bezieht sich dabei auf eine Befragung von 695 Lehrkräften zum schulischen Alltag, wie der Verband mitteilte.

„Inklusion wird heute nur durch den Einsatz und den pädagogischen Idealismus von Lehrerinnen und Lehrern am Leben gehalten“,

sagte die Vorsitzende des BLLV, Simone Fleischmann. Inklusion dürfe kein „Sparmodell“ sein, sagte sie ans bayerische Kultusministerium gerichtet.

97 Prozent der befragten Lehrkräfte halten laut BLLV die Inklusion unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für nicht realisierbar. Lediglich von Schulbegleitung, Kollegium und Schulberatung vor Ort fühlten sich die Lehrkräfte unterstützt. Doch es fehle vor allem an Personal, guten Fortbildungsangeboten und Zeit.

Schüleranzahl bei inklusiven Klassen gleich

Auch Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf werden laut Umfrage bei der Klassenbildung kaum berücksichtigt. So seien inklusive Klassen meist so groß wie nicht-inklusive. Lehrkräfte hätten dann nicht mehr Zeit, sich den einzelnen, förderbedürftigen Kindern zu widmen. Zudem hätten die Lehrerinnen und Lehrer kaum Möglichkeiten sich fortzubilden.

„Natürlich gibt es Fortbildungen und Unterstützungssysteme, aber nur in homöopathischen Dosen“,

betonte Fritz Schäffer, der Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik des Verbandes.

Der BLLV fordert daher, dass bei Budgetierung und Stundenzuweisung an den Schulen Kinder mit Förderbedarf dreifach gezählt werden. Dadurch würden Klassen, denen Kinder mit Förderbedarf angehören, kleiner. So hätten die Lehrkräfte mehr Zeit, diese Kinder bedarfsgerecht zu fördern. Auch müsse es nach Ansicht des BLLV mehr Fortbildungsmöglichkeiten, mehr Lehrerstunden sowie Stunden für Sonderpädagogen an Schulen geben, die sich für Inklusion einsetzen.

Der Freistaat hat seit 2011 rund 1.100 neue Stellen für die Umsetzung der Inklusion bereitgestellt, teilte das bayerische Kultusministerium mit. Ein großer Teil dieser Stellen werde mit Lehrkräften für Sonderpädagogik oder Lehrkräften zur Unterstützung von Einzelinklusion besetzt. Ebenso sei das Thema Inklusion fester Bestandteil der Lehrerbildung.

(RP/dpa/lby)

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