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Barrierefreiheit im Nahverkehr: „Vom Recht auf Mobilität keine Spur“

Bei überfüllten Zügen haben Menschen mit Behinderung meist das Nachsehen. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland fordert im Hinblick auf das Deutschlandticket endlich praktikable Lösungen.

Menschenmassen am Bahnsteig vor einem Zug der Deutschen Bahn.
Praktisch keine Chance auf Mitnahme mit Rollstuhl: Jeder wollte im Sommer mit dem 9-Euro-Ticket reisen. (Foto: Marcus Gebhart)

Bei allen finanziellen Anstrengungen im Mobilitätsbereich müssen die Belange von Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen mitgedacht werden, fordert die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Im Dezember entscheidet der Bundestag über mehr Geld vom Bund für die Bundesländer im Bereich des ÖPNV und des Schienenpersonennahverkehrs durch sogenannte Regionalisierungsmittel. Unter anderem geht es dabei um den baulichen Ausbau der öffentlichen Nahverkehre und die Finanzierung eines preisreduzierten Deutschlandtickets.

„Der barrierefreie Ausbau des Nahverkehrs muss endlich beschleunigt werden. Hier hat man sich viel zu lang mit Ausreden und Ausnahmeregelungen beschäftigt, statt Lösungen zu finden und sich an Artikel 20 der UN-Behindertenrechtskonvention zu orientieren. Gerade in Zeiten des 9-Euro-Tickets und dem nun folgenden Deutschlandticket würden behinderte Menschen noch weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt – vom Recht auf Mobilität keine Spur“,

kommentiert Kay Macquarrie, ISL Sprecher für barrierefreien Tourismus die Lage.

Keine Chancengleichheit bei der Mitnahme

Weiter kritisiert Macquarrie, der auch Mitglied in der programmbegleitenden Arbeitsgruppe der DB AG ist: „Es kann nicht sein, dass bisher keine praktikablen Lösungen umgesetzt worden sind, um behinderten Menschen die chancengleiche Mitnahme im ÖPNV und SPNV zu ermöglichen, wenn sie es schon zum Bahnsteig geschafft haben. Wenn es einen erneuten Run auf das öffentliche Verkehrssystem geben sollte, dann müssen wirkungsvolle Maßnahmen getroffen werden, um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen eine Mitnahme in Bus und Bahn zu garantieren.“

Die wenigen Abteile für behinderte Menschen müssten freigehalten und mehr Personal an den Bahnsteigen eingesetzt werden, um der systematischen Ausgrenzung Einhalt zu gebieten. Zu Zeiten des 9-Euro-Tickets im Sommer haben viele behinderte Menschen auf teils lebenswichtige Termine verzichten müssen und sind vermehrt freiwillig mit dem teureren Fernverkehr gefahren, nur um den Tumulten am Bahnsteig ausweichen zu können, so die Interessenvertretung weiter.

(RP/PM)

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