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Autonomie rechtfertigt höhere Kosten für Hilfsmittel

Das Landessozialgericht in Darmstadt gab einem Rollstuhlfahrer Recht, der bei der Krankenkasse statt eines E-Rollstuhls die Kostenübernahme für ein im Vergleich dazu teureres Handbike beantragte.

Statue Justizia
(Foto: Shutterstock)

Menschen mit Behinderung haben nach einem Urteil des Hessischen Landessozialgerichts zur Gewährleistung ihrer weitestgehend möglichen Mobilität und Eigenständigkeit Anspruch auf Hilfsmittel. „Versicherte haben gegenüber der Krankenkasse einen Anspruch auf Hilfsmittel, die im Einzelfall erforderlich sind, um eine Behinderung auszugleichen“, teilte das Gericht in Darmstadt am Dienstag mit. (Az.: L 1 KR 65/20)

Der Fall

Ein 1958 geborener Mann aus dem Wetteraukreis hatte zu seinem Faltrollstuhl bei der Krankenkasse ein elektrisch unterstütztes Handbike beantragt. Dieses 8.600 Euro teure Hilfsmittel lehnte die Kasse ab und argumentierte, er könne sich mit dem vorhandenen Hilfsmittel und einem angebotenen Elektrorollstuhl für 5.000 Euro ausreichend in seinem Nahbereich bewegen.

Der seit einem Unfall mit 20 Jahren querschnittgelähmte Mann gab an, dass er ohne dieses Hilfsmittel Bordsteinkanten nicht überwinden und abschüssige Strecken nicht befahren könne. Er habe keine Kraft zum Greifen und könne deshalb mit dem Rollstuhl keine Kippbewegung machen und nicht bremsen. Für einen Elektrorollstuhl brauche er zudem eine Hilfskraft zum Umsetzen, während er das Handbike selbst montieren könne.

Wie das Sozialgericht in Gießen in erster Instanz, gab ihm jetzt auch das Landessozialgericht Recht. Das Grundbedürfnis nach Mobilität sei zu ermöglichen. Hierbei sei insbesondere das gesetzliche Teilhabeziel, ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben zu führen, zu beachten, heißt es in einer Mitteilung. Eine Revision ließ das Landessozialgericht nicht zu.

(RP/dpa/lhe)

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