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Autistin Temple Grandin: „Ich bin die Anthropologin auf dem Mars“

Bei der inklusiven Lesereihe „MehrWort für Nürnberg“ des Behindertenrats der Stadt Nürnberg stehen Bücher im Mittelpunkt, die von Autorinnen und Autoren mit Behinderung verfasst wurden. Der nächste Termin ist am Sonntag, 27. Juli 2025.

Temple Grandin (Foto: Steve Jurvetson from Menlo Park, USA - Rain Man’s Rainbow, CC BY 2.0, Link)

In der inklusiven Lesereihe „MehrWort für Nürnberg“ des Behindertenrats der Stadt Nürnberg lesen Katja Bibic und Lisa Hilbert am Sonntag, 27. Juli 2025, von 15 bis 17 Uhr im Buni Kultur-und Freizeittreff, Bertolt-Brecht-Straße 6, aus dem Buch von Temple Grandin „Ich bin die Anthropologin auf dem Mars“. Musikalisch werden sie von Sebastian Dieck mit der Gitarre begleitet. Der Eintritt ist frei.

Temple Grandin beschreibt in dem Buch ihr Leben als Autistin. Sie fühlt sich oft, als würde sie eine fremde Welt erforschen – die Welt der Menschen ohne Autismus. Deshalb nennt sie sich eine „Anthropologin auf dem Mars“. Anthropologen erforschen das Verhalten und Leben von Menschen. Temple Grandin nutzt diesen Begriff, weil sie die Welt der Nicht-Autisten genau beobachtet, um sie besser zu verstehen.

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Als „Anthropologin auf dem Mars“ bezeichnete sich Temple Grandin in einem Gespräch mit Oliver Sacks – ein Ausdruck, derzum Titel ihres weltbekannten Buches wurde. Sie schildert mit einer außergewöhnlich eindringlichen Sprache ihr Leben, das geprägt ist von der schmerzhaften Isolation durch ihr Anderssein. Der Leser erhält Zugang zu ihrer Bilderwelt und begreift mit fortschreitender Lektüre, dass Grandin den Autismus nicht beenden will, selbst wenn sie es könnte, da er „ein Teil dessen ist, was ich bin“.

Temple Grandin ist Professorin für Tierverhalten, entwickelt Anlagen für die Viehhaltung und hält Vorträge über Autismus. 2010 wurde sie vom „Times Magazine“ zu einer der 100 wichtigsten Persönlichkeiten der Welt gewählt. Ihr Buch gibt einen tiefen Einblick in ihr Denken und zeigt, warum sie Autismus als Teil ihrer Identität sieht. Neben der persönlichen Geschichte schreibt sie auch über ihre wissenschaftliche Arbeit und ihr großes Wissen über Autismus (siehe auch Infokasten unten).

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Geschrieben und gelesen von Menschen mit Behinderung

Die sechsteilige Lesereihe „MehrWort für Nürnberg“ stellt Bücher von Autorinnen und Autoren vor, die selbst eine Behinderung haben. Gelesen werden sie ebenfalls von Menschen mit Behinderung. Gebärdensprachdolmetscherinnen übersetzen in die Deutsche Gebärdensprache. Der Buni Kultur-und Freizeittreff stellt dem Behindertenrat seine Räume und die Technik zur Verfügung.

Die vorgestellten Bücher erzählen von Märchenfiguren, von Rollstuhlfahrern, von Menschen mit Autismus, von Menschen mit Beeinträchtigung beim Sehen und Hören und anderen mehr. Es geht um Begegnungen und die Wahrnehmung durch andere Menschen, um Teilhabe und Diskriminierung. Die Erzählungen sind lustig und traurig, emotional, spannend und authentisch und machen Mut, sich dem Leben und seinen Herausforderungen zu stellen.

Die Reihe wird in Abständen fortgesetzt. Weitere Termine sind an den Sonntagen 21. September und 30. November. Die für Sonntag, 26. Januar, geplante und krankheitsbedingt entfallene Auftaktlesung mit Jens Jüttner aus seinem Buch „Als ich aus der Zeit fiel – Mein Weg durch die Paranoide Schizophrenie“ wird nachgeholt.

Temple Grandin – Wissenschaftlerin, Autorin und Autismus-Aufklärerin

Temple Grandin (1947 in Boston, USA, geboren) ist eine renommierte Professorin für Tierwissenschaften, Autorin und eine der bekanntesten Sprecherinnen für Autismus. Bei ihr wurde im Kindesalter Autismus diagnostiziert, und sie gilt heute als eine der erfolgreichsten Personen mit dieser Diagnose.

Die 77-Jährige hat maßgeblich zur Verbesserung des Tierschutzes in der Nutztierhaltung beigetragen. Sie entwickelte humane Systeme für den Umgang mit Rindern in Schlachthöfen, die Stress und Leid der Tiere erheblich reduzieren. Ihre Arbeit führte zu internationalen Standards im Tierschutz, und ihre Konzepte werden weltweit in der Landwirtschaft genutzt.

Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit setzt sich Temple Grandin intensiv für Aufklärung über Autismus ein. Sie spricht offen über ihre eigenen Erfahrungen, betont die Bedeutung von Vielfalt im Denken und fördert ein besseres Verständnis für Menschen im Autismus-Spektrum.

Grandin ist Autorin mehrerer Bücher und war Thema zahlreicher Dokumentationen sowie des preisgekrönten HBO-Films „Temple Grandin“. Heute ist sie Professorin an der Colorado State University und eine einflussreiche Stimme in den Bereichen Tierschutz und Neurodiversität.

(RP/PM/boe)

Dürfen wir glücklich sein?

Die Angst geht um unter Autist*innen – die Angst vor einem guten Leben, vor Lebensqualität und Glück. Das klingt absurd, ist aber tatsächlich die Folge eines diskriminierenden Systems, in dem Menschen mit Behinderung noch immer leben. Von ROLLINGPLANET-Kolumnistin Marlies Hübner

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