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Auf Deutschlands Gehwegen

Eine ADAC-Umfrage lässt erkennen: Viele Rücksichtslosigkeiten ärgern Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen.

Gleich sieben E-Roller wurden achtlos auf einem Bürgersteig in Hamburg vor einer Bushaltestelle abgestellt.
Sieben E-Roller wurden achtlos auf einem Bürgersteig in Hamburg abgestellt. (Foto: Shutterstock/Lina Zavgorodnia)

Der blinde ROLLINGPLANET-Kolumnist Heiko Kunert beklagte unlängst, wie sehr die vielen auf den Gehwegen abgestellten E-Scooter ihm und anderen sehbehinderten Menschen das Leben schwer machen:

Die ausleihbaren Roller – auch Scooter genannt – fahren und parken auch in Hamburg auf allen Wegen und Plätzen. Gerade an touristisch attraktiven Orten – wie in der HafenCity oder der Innenstadt – finden sie sich in sehr großer Zahl.

Für mich als blinder Fußgänger sind sie eine neue Barriere im öffentlichen Raum. Da sie von den Nutzerinnen und Nutzern überall abgestellt werden können, muss ich tagtäglich an jedem Ort mit ihnen rechnen – auf dem schmalen Gehweg meiner Wohnstraße, vor dem Ausgang des U-Bahnhofs, sogar auf dem Blindenleitstreifen. Überall stehen sie herum. Manchmal liegen sie sogar. Es sind aber nicht nur die Nutzerinnen und Nutzer, die durch ihr Verhalten neue Barrieren schaffen. Auch die Verleiher stellen die Roller schon mal mitten auf dem Bürgersteig ab, oft sind es dann sogar mehrere Roller, die hintereinander aufgestellt werden. Für mich bedeutet das jedes Mal Irritation und Stolpergefahr.

ROLLINGPLANET-Kolumnist Heiko Kunert sitzt vor einem PC und arbeitet.

ROLLINGPLANET-Kolumnist Heiko Kunert. (Foto: privat)

Kunert ist mit seinem Unmut nicht allein. Körperlich nicht eingeschränkte Fußgänger fühlen sich ebenfalls oft nicht wirklich sicher in deutschen Städten. Sie empfinden E-Scooter-Fahrer als besonders rücksichtslos, gefolgt von Radfahrern, Autofahrern und anderen Fußgängern – so das Ergebnis einer deutschlandweiten Umfrage des ADAC. Auch Mängel an der Infrastruktur wie beispielsweise holprige Gehwege, gemischte Flächen für Fußgänger und Radfahrer oder schlechte Sicht an Kreuzungen schätzt fast die Hälfte der Befragten als sehr störend ein.

Oft wenig Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit

Dabei gehen über 80 Prozent der Bundesbürger laut einer Studie des Bundesverkehrsministeriums gerne zu Fuß, gut 40 Prozent davon fast täglich. Das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel dagegen werden weniger genutzt. Doch wenn es um Sicherheit im Straßenverkehr geht, haben Fußgänger oft das Nachsehen, wie die Umfrage des ADAC unter 3200 Fußgängern in 16 deutschen Großstädten ergab.

Beim Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer standen Fragen zur gegenseitigen Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit im Mittelpunkt. Ergebnis: Knapp zwei Drittel der Fußgänger ärgern sich vor allem über Radfahrer, die mit zu geringem Abstand überholen, und genauso viele über Autofahrer, die beim Abbiegen nicht auf Fußgänger achten oder an Zebrastreifen nicht anhalten. Nahezu ebenso unbeliebt ist das Zuparken von Gehwegen oder dass Radfahrer zu spät klingeln.

Ärgernis auch für Rollstuhlfahrer

Die Infrastruktur sorgt bei Fußgängern unter anderem für Verdruss, wenn an Ampeln zu lange auf „Grün“ gewartet werden muss, die Grünphasen zu kurz sind bzw. man auf Mittelinseln ein zweites Mal warten muss (jeweils rund 44 Prozent). Auch fehlende bzw. holprige Gehwege sind für viele ein großes Ärgernis, insbesondere für mobilitätseingeschränkte Fußgänger, die zum Beispiel mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs sind (60 Prozent).

Der ADAC appelliert deshalb an die Kommunen, in der Planung stärker als bisher auf die Bedürfnisse von Fußgängern einzugehen und dabei auch deren subjektives Sicherheitsempfinden zu berücksichtigen.

(RP/PM)

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1 Kommentar

1 Comment

  1. Hans Stattkus, Rollstuhlfahrer

    30. November 2021 um 12:23

    Hallo
    Dazu hätte ich als Behinderter Rollstuhlfahrer auch eine sehr starke Meinung dazu, zwar ist folgendes: Da ich fast immer den Bürgersteig mit meinem Rollstuhl benutze, wird es immer Enger nicht nur durch diese rücksichtslosen Falschparkenden Autos dazu kommen jetzt noch erschwerend die E-Roller hinzu die aber auch und wofür sind sie mit einem Nummernschild versehen, genau so wie ein Moped oder Mofa, damit man diese auch bei einem Verkehrsvergehen belangen kann. Warum um alles in der Welt ist es nicht möglich, daß man den zuletzt benutzten E-Rollerfahrer für ein Behindertes und stellenweise sehr gefährlich abgestellten E-Roller Strafrechtlich zu belangen. Habe von einem E-Roller einmal ein Foto gemacht und bei der üblichen „Verkehrsüberwachung Fremdanzeigen“ zur Anzeige gebracht, da wurde mir nur gesagt, daß sie den Eigentümer verständigen würden damit dieser den E-Roller von dort abholen würde, dieser hat mit Sicherheit keine Strafe bekommen, obwohl das Teil so abgestellt war, daß er mich blockiert hat und mich am Weiterfahren behindert. Habe auch schon seit 2012 bis dato ca. 2000 Autofahrer wegen Falschparken zur Anzeige gebracht. Warum soll das bei diesen nicht gehen.
    Gruß Hans

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