Connect with us

Sie suchen ein bestimmtes Thema?

Alltag, Freizeit, Geld & Recht

Vor Eingriffen an Wirbelsäule: Anspruch auf Zweitmeinung kommt

Für diese potenziell lebensverändernden Operationen sollen zukünftig Krankenkassen die Kosten für einen weiteren Fachmediziner übernehmen – das war bisher nicht der Fall. Für welche Behandlungen die neue Regelung konkret gilt.

Frau lässt sich von einer Ärztin beraten
Künftig soll die Einholung einer Zweitmeinung von den Krankenkassen übernommen werden (Foto: Shutterstock)

Vor bestimmten planbaren Operationen an der Wirbelsäule sollen Patientinnen und Patienten bald Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung haben. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken hat das beschlossen.

In dem Zweitmeinungsverfahren prüfen andere Fachärztinnen und Fachärzte, ob die empfohlene OP medizinisch notwendig ist – die Kosten dafür trägt die Krankenkasse.

Der Beschluss muss noch vom Gesundheitsministerium geprüft werden. Wird er nicht beanstandet, tritt er in einigen Wochen mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Um diese Operationen geht es

Zu den planbaren Wirbelsäulen-Operationen, bei denen zukünftig Anspruch auf eine Zweitmeinung bestehen soll, zählen dem G-BA zufolge die dynamische und statische Stabilisierung der Wirbelsäule (Osteosynthese und Spondylodese), die knöcherne Druckentlastung (Dekompression), „Facettenoperationen“, Verfahren zum Einbringen von Material in Wirbelkörper, Entfernung von Bandscheibengewebe sowie das Einsetzen einer künstlichen Bandscheibe.

Für eine Zweitmeinung in Frage kommen unter anderem Fachärztinnen und Fachärzte in den Bereichen Orthopädie, Unfallchirurgie, Neurochirurgie, Neurologie sowie Physikalischer und Rehabilitativer Medizin. Sobald der Beschluss in Kraft ist, können sie laut G-BA eine Genehmigung beantragen und anschließend die Zweitmeinungsberatung zulasten der Kassen anbieten.

Wo schon ein rechtlicher Anspruch besteht

Bei fünf weiteren Eingriffen besteht bereits ein rechtlicher Zweitmeinungsanspruch: Amputation beim diabetischen Fußsyndrom, Eingriff an Gaumen- oder Rachenmandeln, Gebärmutterentfernung, Schulterarthroskopie und Knieendoprothese-Implantation.

Patientinnen und Patienten haben natürlich auch unabhängig von dem gesetzlich geregelten Zweitmeinungsverfahren Anspruch darauf, andere Mediziner oder Medizinerinnen um ihre Meinung zu bestimmten Diagnosen und Behandlungen zu bieten – das ist durch das Recht der freien Arztwahl gesichert, wie die Stiftung Gesundheitswissen erklärt.

Allerdings: Auf den Kosten bleibt man womöglich sitzen. Deshalb sollten sich Krankenversicherte vorher bei ihrer Kasse und dem Arzt informieren, was unter Umständen an Geldsummen auf sie zukommt. Viele Kassen bieten laut der Stiftung eigene Zweitmeinungsverfahren an: zum Beispiel bei Operationen am Hüftgelenk, am Rücken oder bei der Behandlung von Krebs.

(RP/dpa)

Veröffentlicht auf

ROLLINGPLANET ist seit 2021 Deutschlands Onlinemagazin für Menschen mit Behinderung und alle anderen. ROLLINGPLANET ist ein Non-Profit-Projekt, realisiert vom Verein Menschen, Medien und Inklusion e.V., München. Mehr über unser Team erfahren Sie hier.

Kommentieren

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung
Werbung
Werbung

LESETIPPS

Werbung

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Alltag, Freizeit, Geld & Recht, Gesundheit & Medizin

Wer Ärzten einen Fehler nachweisen will, braucht einen langen Atem. Die Krankenkassen helfen – und wünschen sich Verbesserungen, damit Patienten im Schadensfall schneller zu ihrem Recht kommen. Von Sandra Trauner

Gesundheit & Medizin

Reha nach einer Operation kennt fast jeder. Aber „Preha“? Das ist im Prinzip nichts anderes - nur eben vor dem Eingriff. Welche positiven Effekte das bringt und was Sie dabei beachten müssen. Von Katja Sponholz

Sport

Ärzte diagnostizierten bei der Paralympicssiegerin Mitte Oktober einen Hirntumor. Wie es ihr nach dem Eingriff geht, verrät sie nun auf Instagram.

Lorenzos Welt

Das kann ich absolut nicht verstehen. Wenn es schon Experten bestätigen, dass das Reiten tatsächlich ein sinnvoller Therapieansatz ist, müssten die Leute im Bundesausschuss und Ministerium es doch neu überdenken, oder? Von ROLLINGPLANET-Kolumnist Lorenzo Mayer