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Gesellschaft & Politik

Annette Frier: „Nein“ zu pränatalen Trisomie-Tests als Kassenleistung

Die bekannte Schauspielerin unterstützt das Bündnis #NoNIPT, welches gegen die geplante Gesetzesnovelle kämpft.

Schauspielerin Annette Frier unterstützt #NoNIPT.
Schauspielerin Annette Frier unterstützt #NoNIPT. (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Seit dem 5. Mai postet das Bündnis #NoNIPT im Zuge der von Aktion Mensch geförderten Kampagne „Hört uns endlich zu – 100 Stimmen für #NoNIPT“ täglich Debattenbeiträge zur unmittelbar bevorstehenden Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien (NIPT). Die 50. Stimme zur Halbzeit der Kampagne ist die Kölner Schauspielerin Annette Frier:

„Wer für Diversity und gegen Diskriminierung ist, kann die Kassenzulassung des Tests nicht gut finden.“

Vera Bläsing, für die Elterninitiative BM 3X21 im Bündnis #NoNIPT, freut sich über den enormen Zulauf: „Wir haben als zivilgesellschaftliche Initiative, die ehrenamtlich arbeitet, eine Debatte angestoßen, wie wir sie eigentlich vom Bundestag erwartet hätten!“

Blickwinkel von Betroffenen

In den Beiträgen, die auf der Webseite www.nonipt.de und auf Social Media veröffentlicht sind, kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven zu Wort.

„Hier finden sich alle Facetten der Problematik einer Kassenzulassung des NIPT: Von der Tatsache, dass die Kassenfinanzierung einer Empfehlung gleichkommt, von der Unzulänglichkeit des Tests, Antworten auf die Fragen und Sorgen Schwangerer zu liefern, von der Wut, die die Entscheidung bei Menschen mit Down-Syndrom auslöst bis hin zur großen gesellschaftlichen Frage – wie können wir ernsthaft Selektion als Kassenleistung vertreten?“,

so Tina Sander, die im Bündnis den Verein mittendrin e.V. vertritt.

Nicht-invasive Pränataltests (NIPT)

Die sogenannten Nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) sind seit 2012 in Deutschland auf dem Markt, ein weiteres vorgeburtliches Untersuchungsverfahren, welches nach genetischen Besonderheiten beim Fötus sucht.

Im September 2019 beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Gremium der Selbstverwaltung des Gesundheitssystems: Der NIPT auf die Trisomien 13, 18 und 21 soll zukünftig von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bezahlt werden. Der Beschluss soll in Kraft treten, sobald eine Versicherteninformation zum NIPT und den Trisomien 13, 18 und 21 vorliegt und vom G-BA beschlossen wurde.

Seit Anfang des Jahres liegen dem Gremium Entwürfe für einen allgemeinen Informationsflyer zu Pränataldiagnostik und einer auf den NIPT und die Trisomien fokussierten medizinischen Broschüre für werdende Eltern vor. Diese Materialen sollen zukünftig verpflichtend zur Unterstützung der ärztlichen Beratung zu Pränataldiagnostik eingesetzt werden. Voraussichtlich Mitte Juli findet die abschließende Sitzung im Verfahren beim G-BA statt.

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Immer wieder betonte der G-BA, dass der Test im begründeten Einzelfall bezahlt werden soll und es kein Screening auf Trisomien geben wird. Auch in der Orientierungsdebatte im Bundestag sprachen sich fast alle Abgeordneten gegen eine Reihenuntersuchung auf das Down-Syndrom aus. Der Beschluss von September 2019 spricht jedoch eine andere Sprache: Der genetische Bluttest soll als Kassenleistung genutzt werden können, „wenn er geboten ist, um der Schwangeren eine Auseinandersetzung mit ihrer individuellen Situation hinsichtlich des Vorliegens einer Trisomie im Rahmen der ärztlichen Begleitung zu ermöglichen.“

Der Beschluss bindet die Kassenleistung also allein an die subjektive Besorgnis der Schwangeren vor einem Kind mit einer Trisomie. Als Resultat rechnet der Berufsverband für Frauenärzte beim Inkrafttreten des G-BA Beschlusses mit einer Inanspruchnahme durch mindestens 90 Prozent der Schwangeren.

(RP/PM)

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