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Android und iOS: Neue Bedienungshilfen für Menschen mit Behinderung

Viele blinde oder gehörlose Menschen können sich ein Leben ohne Smartphone kaum noch vorstellen. Während diese immer nützlicher werden, tauchen bei Haushaltsgeräten neue Barrieren auf.

Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand.
(Foto: Fabian Sommer/dpa)

Apple und Google führen neue Software-Funktionen für Smartphones, Tablets und Personal Computer ein, um Geräte mit ihren Betriebssystemen auch für behinderte Menschen noch besser zugänglich zu machen. Für die Gemeinschaft der Gehörlosen und Schwerhörigen bringt Apple beispielsweise Live-Untertitel auf die Bildschirme seiner Geräte, kündigte der iPhone-Hersteller am Donnerstag an. Anwenderinnen und Anwender könnten damit Audioinhalten leichter folgen – unabhängig davon, ob sie telefonieren, eine Videokonferenz oder eine Social-Media-App nutzen, Medieninhalte streamen oder sich mit jemandem neben ihnen unterhalten.

Die Live-Untertitel werden zunächst nur auf Englisch angeboten. Wann sie auf Deutsch zur Verfügung stehen werden, ist noch offen. Eine ähnliche Funktion hatte Google im Herbst vergangenen Jahres für seine Pixel-Smartphones vorgestellt.

Lookout für Fotos und „Türerkennung“

Auf der Entwicklermesse Google I/O wurden vergangene Woche weitere Verbesserungen für das Mobilsystem Android angekündigt, um Barrieren für behinderte Menschen zu senken. So wurde eine neue Version der Anwendung Lookout präsentiert, mit der blinde oder sehbehinderte Menschen sich den Inhalt von Fotos beschreiben lassen können. Lookout 3.0 fokussiert sich dabei auf Fotos aus den Nachrichten sowie aus sozialen Netzwerken. Die App kann außerdem Texte vorlesen, die auf dem Bild zu sehen sind. Deutlich verbessert wurde auch die App „Live Transcribe“, mit der gesprochene Sprache in Schrift umgewandelt und Alltagsgeräusche wie eine Türklingel erkannt werden können.

iPhone gibt im Kameramodus aus, dass die Tür geschlossen ist.

Mit der Türerkennung (l.) will Apple blinden und sehbehinderten Menschen helfen, sich besser zurecht zu finden. (Foto: Apple)

Apple stellte außerdem die Funktion „Türerkennung“ vor. „Damit können Blinde und Sehbehinderte besser die letzten Meter zu ihrem Ziel navigieren“, sagte Sarah Herrlinger, die in dem Konzern weltweit für das Thema Barrierefreiheit zuständig ist. Die Anwendung meldet beispielsweise, ob eine Tür offen oder geschlossen ist, welche Zeichen oder Hinweise sich rundherum befinden und ob man die Tür aufdrücken, aufziehen oder einen Knopf drücken muss. Die „Türerkennung“ kann über die Lupen-App des iPhones aufgerufen werden.

Haushaltsgeräter immer schlechter zu bedienen

Experten weisen aber auch darauf hin, dass manche alltägliche Haushaltsgeräte wie Backöfen, Toaster, Waschmaschinen oder sogar Wasserkocher immer schlechter für Menschen mit Behinderung zu bedienen seien. Hersteller würden beispielsweise herkömmliche Schalter oder Drehknöpfe an den Geräten durch Touch-Bildschirme ersetzen, die nicht barrierefrei gestaltet sind.

In manchen Fällen ließen sich solche Geräte auch von Menschen mit Behinderung bedienen, wenn es eine dazugehörige Smartphone-App gebe, die beispielsweise bei Backöfen die Temperatur oder das eingestellte Programm vorlesen kann, sagte Artur Ortega, Software-Architekt des britischen Gesundheitsdienstleisters Babylon Health. „Doch dazu müssen die Apps wiederum auch barrierefrei gestaltet sein.“ Im Gegensatz zu Herstellern aus den USA, wo Barrierefreiheit in vielen Fällen gesetzlich vorgeschrieben sei, gebe es gerade bei Herstellern aus Deutschland zum Teil erheblichen Nachholbedarf.

(RP/dpa)

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