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Amputierte Unterschenkel: Geschädigter könnten bis zu 1.000.000 Euro zugesprochen werden

Das Landgericht Hamburg verurteilte ein Krankenhaus in einem ersten Schritt zur Zahlung von 170.000 Euro. Wie es zu dem folgenschweren Behandlungsfehler kam und wie der Anwalt der Frau die hohe Summe erstreiten will.

Fassade Landgericht Hamburg
Das Landgericht sprach sein Urteil bereits am 19. Mai. (Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Wegen eines Behandlungsfehlers, in dessen Folge einer Frau beide Unterschenkel amputiert wurden, hat das Hamburger Landgericht ein Krankenhaus zur Zahlung von 170.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Das Gericht habe die Klinik zudem verpflichtet, für alle weiteren Folgen des Fehlers aufzukommen, sagte ein Justizsprecher am Donnerstag. Dafür sei jedoch bislang keine Summe festgelegt worden. Das bereits am 19. Mai ergangene Urteil sei noch nicht rechtskräftig.

Zuerst hatte die „Hamburger Morgenpost“ über den Fall berichtet. Der Anwalt der 50 Jahre alten Klägerin sagte dem Blatt, das Schmerzensgeld sei nur ein erster Schritt. Wenn kurzfristig keine Einigung erzielt werden könne, so werde ein weiterer Prozess zur Schadenshöhe, in dem es etwa um Therapien oder Zuzahlung zu Medikamenten gehe, geführt werden müssen. Er nannte die Summe von bis zu 850.000 Euro.

Thrombose-Prophylaxe war ursächlich

Die 50-Jährige aus Hamburg hatte sich laut Gericht im April 2015 einer Herzoperation unterzogen, die erfolgreich verlief. Die Patientin bekam im Krankenhaus ein Mittel zur Thrombose-Prophylaxe, das sie aber nicht vertrug. Das bemerkten die Ärzte nach Ansicht eines Gutachters zu spät, obwohl es dafür deutliche Anzeichen gab. Die Frau, die über Schmerzen klagte, habe über Tage hinweg zunächst nur Schmerzmittel bekommen, berichtete der Gerichtssprecher.

In der Folge kam es laut Kammer zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung in den Unterschenkeln. Zuerst hätten die Ärzte eine schmerzhafte operative Öffnung der Beine angesetzt. „Doch das reichte nicht aus, beide Unterschenkel mussten schließlich abgenommen werden“, sagte der Sprecher. Die Klägerin habe erklärt, bis heute habe sie beim längeren Tragen von Prothesen zu große Schmerzen und sei deshalb täglich auf den Rollstuhl angewiesen. Sie leide zudem unter den psychischen Folgen der Amputation.

(RP/dpa)

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