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Gesundheit & Medizin

7 Fragen und Antworten: Was ist eine Eigenbluttherapie, und was bringt sie?

Unter anderem bei schlechtem Allgemeinbefinden, Akne und Allergien soll sie helfen können. Aber stimmt das auch? Von Sabine Meuter

Ein Arzt entnimmt einer Frau mit einer Spritze Blut. Beide tragen eine Maske.
(Foto: Shutterstock)

Ein Pieks und etwas Blut wird entnommen. Der nächste Pieks: Das entnommene Blut gelangt per Spritze zurück in den Körper. Eine Eigenbluttherapie soll dem Organismus von außen Reize zuführen, um seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Das klingt nach einer einfachen Möglichkeit, um sich besser zu fühlen. Doch bringt das wirklich Effekte? So viel vorweg: Überzeugende Belege aus großen Studien gibt es nicht. Wichtige Fragen rund um das Thema – und Antworten darauf:

1. Wann bietet sich eine solche Behandlung an?

„Zum Beispiel bei Allergien und Hauterkrankungen wie Akne oder Neurodermitis oder etwa bei Nesselsucht“, sagt Allgemeinmedizinerin Renate Schleker aus Lübeck. Eine Eigenbluttherapie könne aber auch effektiv sein, um das Allgemeinbefinden zu verbessern, sagt die Medizinerin, die solche Behandlungen in ihrer Praxis anbietet.

„Wer beispielsweise immer wieder erkältet ist, kann mit einer Eigenbluttherapie versuchen, das Immunsystem zu stärken“, sagt Schleker. Sie ist Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte für Naturheilverfahren Deutschlands (BAEN-D). Eine Eigenbluttherapie bietet sich laut Schleker vor allem dann an, wenn der Patient oder die Patientin nicht auf Tabletten oder Spritzen reagiert.

2. Welche Methoden gibt es bei der Eigenbluttherapie?

Es gibt verschiedene. Zum einen ist es möglich, das Blut nach der Entnahme direkt wieder zurück zu spritzen. Zum anderen kann das entnommene Blut vor einer Re-Injektion aufbereitet werden. Dafür ist eine behördliche Produktionsgenehmigung nötig.

Bei der Therapie mit plättchenreichem Plasma, PRP genannt, werden über einen Apparat die roten und weißen Blutkörperchen entfernt. Im Ergebnis bleiben das gelbliche Blutplasma und die Blutplättchen zurück. Dies wird nun beim Patienten injiziert.

„Dieses Verfahren kann bei chronischen Wunden dafür sorgen, die Heilung zu stimulieren“, erklärt Prof. Stefanie Joos, Ärztliche Direktorin am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung am Universitätsklinikum Tübingen.

Blut könne zum Beispiel auch mit Ozon oder UV-Licht behandelt und der betroffenen Person wieder zugeführt werden, sagt Renate Schleker. Möglich ist außerdem, einen Tropfen Kapillarblut aus der Fingerspitze des Patienten zu nehmen und homöopathisch zu verdünnen. „Anschließend wird sie auf die Zungenspitze des Patienten gegeben oder als Globuli eingenommen“, sagt Stefanie Joos, die auch die Sektion Forschung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) leitet.

3. Was passiert bei der Eigenbluttherapie im Körper?

Das injizierte Blut sorgt für einen Reiz. Das Immunsystem reagiert auf das zugeführte Blut, das es als Fremdkörper wahrnimmt. Wobei es ja kein Fremdkörper ist. „Im Gegensatz zu fremden Blut, also Blut von anderen Menschen, besteht keine Gefahr, dem Körper Schaden zuzufügen“, erläutert Renate Schleker. Die Eigenbluttherapie könne im Organismus günstige immunologische Reaktionen in Gang setzen.

4. Wie läuft die Eigenbluttherapie konkret ab?

Dem Patienten wird zunächst eine sehr kleine Dosis von etwa einem Milliliter Blut entnommen. Unmittelbar im Anschluss wird das Blut dem Körper wieder zugeführt. Die Blutentnahme-Dosis kann von Sitzung zu Sitzung bis höchstens fünf Milliliter erhöht werden.

Wie viele Sitzungen stattfinden, hängt auch von der Art der Erkrankung ab. „Bei schwerer Akne etwa gibt es zunächst zehn Behandlungstermine“, sagt Schleker. Erst erfolgt die Entnahme und die Injektion des Blutes einmal die Woche, später zweimal die Woche. Bei Allergien können deutlich mehr Sitzungen nötig sein. „Dann kann die Eigenbluttherapie zwei bis drei Monate dauern.“

5. Können Nebenwirkungen auftreten?

Ja. An der Einstichstelle können Entzündungen oder leichte Rötungen auftreten, auch Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich. „Das ist aber zumeist nur vorübergehend“, sagt Schleker. Auch erhöhte Temperatur und leichte Infektsymptome können auftreten.

Wie bei jeder intramuskulären Injektion kann mit einer geringen Wahrscheinlichkeit ein sogenannter Spritz-Abszess entstehen. Der tritt auf, wenn die Spritze nicht hinreichend desinfiziert ist und Bakterien ins Gewebe eindringen.

6. Gibt es wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit?

„Überwiegend gibt es kleinere Studien, die die Wirksamkeit bei der Gabe von unbehandeltem Eigenblut belegen“, sagt Schleker. Demnach soll die Behandlung vor allem bei Nesselsucht und Hauterkrankungen effektiv sein. Größere wissenschaftliche Untersuchungen stehen bislang aus. Das heißt: Überzeugende Nachweise fehlen bislang.

Das Online-Portal „medizin transparent“, hinter dem das unabhängige Wissenschaftsnetzwerk Cochrane Österreich steht, hat sich 2020 mit der Wirksamkeit von PRP-Therapien bei Arthrose beschäftigt und kam nach Blick auf die Studienlage zum Schluss: „Injektionen mit plättchenreichem Plasma könnten die Schmerzen bei Arthrose im Knie geringfügig verringern.“ Die Therapie sei anscheinend wirksamer als eine Placebobehandlung, der Effekt sei aber gering. Für die Hüfte hingegen wiesen die Studien eher in Richtung keiner Wirksamkeit.

Die Techniker Krankenkasse hält in einem 2021 veröffentlichten Beitrag zur Eigenbluttherapie fest: „Ein wissenschaftlicher Nachweis über die Wirksamkeit der Eigenbluttherapie fehlt. Anerkannte Studien zu diesem Therapieverfahren gibt es nicht.“

7. Was kostet eine Eigenbluttherapie?

„Pro Sitzung muss man mit einem Betrag zwischen 15 und 80 Euro rechnen“, sagt Schleker. Die genaue Höhe hängt unter anderem davon ab, ob das Blut vor der Re-Injektion aufbereitet wird oder nicht.

Eine Eigenbluttherapie rechnen Behandler meist nach den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGel) ab, für die Patientinnen und Patienten generell selbst aufkommen müssen. Sie gehören nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen. Manche Krankenkassen bieten aber an, eine Eigenbluttherapie im Rahmen eines Bonusprogramms zu bezuschussen oder die Kosten ganz oder teilweise zu übernehmen.

(RP/dpa)

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