Dr. Sigrid Arnade

Neue Broschüre der ISL: “Du bist wohl behindert oder was!?”

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Das Diskussionspapier zu den Begriffen Behinderung, Beeinträchtigung und chronischer Erkrankung ist als Download verfügbar.

Dr. Signrid Arnade (Foto: ISL e.V./Birgit Maaßen)

Was ist der Unterschied zwischen einer Beeinträchtigung und einer Behinderung? Ist die gleichrangige Aufzählung von Behinderung und chronischer Krankheit sinnvoll? Diesen und weiteren Fragen geht ein neues Diskussionspapier der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. – ISL mit dem Titel „Du bist wohl behindert oder was!?“ auf den Grund.

„Das Thema ist recht theoretisch, aber aus meiner Erfahrung können Identität und Selbsthilfepotenziale behinderter Menschen gestärkt werden, wenn sie sich mit diesem Stoff auseinandersetzen.“,

weiß die Autorin und ISL-Sprecherin für Gender und Diversity, Dr. Sigrid Arnade. In dem Diskussionspapier kommen drei Frauen und drei Männer mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen zu Wort. Deutlich wird einerseits das negative Image von „Behinderung“. Andererseits können die individuelle Persönlichkeit und die gesamte Behindertenbewegung gestärkt werden, wenn Behinderung als das verstanden wird, was sie ist:

„Behinderung entsteht aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und verschiedenen Barrieren, die eine gleichberechtigte Teilhabe verhindern“,

erläutert Arnade und beruft sich damit auf die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Die Barrieren könnten einstellungs- oder umweltbedingt sein.

Interviews, Urteile, Thesen

Neben den Interviews der behinderten Menschen werden die theoretischen Grundlagen geklärt. Außerdem verdeutlichen einige Urteile hoher Gerichte zu diesem Thema die praktische Relevanz klarer Definitionen und Abgrenzungen. Die Interviewpartner*innen berichten auch, was ihnen geholfen hat, sich mit ihrer Beeinträchtigung zu akzeptieren und sich selbst als stolze behinderte Menschen wahrzunehmen und zu engagieren: „Da war immer wieder von Begegnungen mit anderen behinderten Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen die Rede und von Empowerment-Angeboten, was letztlich zur Akzeptanz führte,“ erinnert sich die Autorin.

Abgerundet wird das Diskussionspapier durch „Acht Thesen zur Diskussion“. Betroffene und ihre Organisationen werden angeregt, sich damit zu beschäftigen. Eine These lautet beispielsweise „Wer sich zu sehr auf Heilung fixiert, verpasst das Leben!“ Dazu Arnade: „Über so eine Aussage lässt sich doch trefflich debattieren“.

Die Erstellung des Diskussionspapiers wurde durch eine Förderung des AOK-Bundesverbandes ermöglicht.

Die digitale Broschüre kann hier heruntergeladen werden.

(RP/PM)

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