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Kelvine braucht nicht nur ein neues Bein

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Zum heutigen Welttag der Humanitären Hilfe berichtet die Hilfsorganisation Handicap International über ihre Arbeit im Kongo.

Der Psychologe Jonathan Kekule (v.l.n.r.) mit Kelvine und Kizobizo. (Foto: Patrick Meinhardt/Handicap International)

Die zehnjährige Kelvine Oshindi aus der Demokratischen Republik Kongo geriet zwischen die Fronten von zwei Rebellengruppen. Sie wurde angeschossen, ihr Bein musste amputiert werden, ihr Vater wurde ermordet. Kinder wie Kelvine brauchen nicht nur Prothesen und Reha, sie brauchen auch psychologische Hilfe, um die schlimmen Erlebnisse verarbeiten zu können. Physio- und Psychotherapeut*innen von Handicap International (HI) arbeiten Hand in Hand, kümmern sich um die Kinder in der Provinz Nord Kivu, im Osten des Landes, die Opfer von Gewalt geworden sind. Spezialisten wie beispielsweise Jonathan Kakule, Psychologe von HI, der Kelvine hilft, wieder fröhlich und mit Selbstvertrauen in die Zukunft zu sehen. Ohne den Einsatz von humanitären Helfer*innen hätten Kinder wie Kelvine kaum eine Chance auf ein selbstständiges Leben.

„Diese Sitzungen sind lebenswichtig”

Neben Jonathan sitzt nicht nur Kelvine, sondern auch Kizubizo, die beide Beine verloren hat; andere haben verbundene Köpfe oder verwundete Arme – zusammen etwa fünfzehn Kinder.

„Sie kommen mehrmals in der Woche. Diese Sitzungen sind lebenswichtig. Die Kinder haben so viel Schreckliches erlebt, wir wollen ihnen helfen, ihr Trauma zu überwinden, ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen und sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Wir versuchen, ihnen einen sicheren Raum zu bieten, in dem sie ihre Fantasie ausleben, lachen, sich entspannen und sich ausdrücken können. Sie zeichnen und spielen als Team. Kelvine hat viel positive Energie, sie singt, lacht und ist sehr offen für andere Kinder”,

sagt Jonathan Kakule mit einem gewinnenden Lächeln.

Professionelle Hilfe von lokalen Fachkräften

Gleichzeitig mit der psychologischen Behandlung bietet HI Reha-Sitzungen im Krankenhaus von Rutshuru an. Physiotherapeut Jean Claude Karengane versorgt Kelvine regelmäßig: „Ihr Stumpf ist in einem guten Zustand, und sie sollte mit einer Prothese versorgt werden. Es ist sehr wichtig, mit den Rehabilitationsübungen fortzufahren, damit sie ihre Beinmuskeln stärkt und ihre Beweglichkeit wiedererlangt.“ Nur mit dieser professionellen und kombinierten Hilfe haben die Kinder eine Chance, wieder in die Schule gehen zu können und somit eine Zukunft zu haben.

Welttag der Humanitären Hilfe

In Nord Kivu herrscht ein starkes Klima der Unsicherheit: Tausende Menschen wurden ermordet, viele vergewaltigt, ihre Häuser zerstört oder geplündert. Jeder lebt in ständiger Angst. Unzählige wurden vertrieben, einige sind bei Verwandten untergekommen, andere leben in Notlagern in ländlichen Gegenden. Auch für die humanitären Helfer*innen ist es immer wieder gefährlich. Am 19. August wird weltweit all derjenigen Helfer*innen gedacht, die im Einsatz Opfer von Gewalt geworden sind. Der Gedenktag wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, nachdem 22 humanitäre Helfer*innen am 19. August 2003 bei einem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad starben. Laut Aid Worker Security Database wurden im vergangenen Jahr 483 Opfer von Gewalt.

Aktuelle Umfrage: Vorurteil des „weißen Helfers“ hält sich

Bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung ist das stereotype Bild des „weißen Helfers“ noch immer präsent. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“ anlässlich des Welttags Humanitäre Hilfe hervor. Demnach sind 82 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Einsatz deutscher Helferinnen und Helfer bei weltweiten Krisen und Katastrophen wichtig oder sehr wichtig ist. Das Vorurteil, dass vor allem internationales Hilfspersonal in Krisenländer reist, um zu helfen, hält sich weiterhin. Dabei sind jedoch rund 90 Prozent der humanitären Helfer*innen lokale Hilfskräfte. Auch die gemeinnützige Organisation Handicap International setzt überwiegend lokale Kräfte ein (über 90 Prozent) bzw. arbeitet mit lokalen Organisationen zusammen.

(RP/PM)

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