Preisträger Botond Roska im Labor.

Hoffnung für Menschen mit Sehbehinderung: Künstliche Netzhaut in Reichweite

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Mithilfe von Gentechnik konnte der Mediziner Botond Roska ein Retina-Organoid züchten.

Botond Roska im Labor. (Foto: Körber-Stiftung/Friedrun Reinhold)

Er will erblindeten Menschen das Augenlicht zurückgeben. Für seine Arbeiten zur Erforschung des Sehens und der Netzhaut erhält der ungarische Mediziner Botond Roska in diesem Jahr den mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft. Das teilte die Körber-Stiftung am Dienstag mit. Der 50-jährige Roska habe die Augenheilkunde revolutioniert und zähle zu den weltweit führenden Experten, hieß es in einer Mitteilung.

Roska arbeitet daran, Erkrankungen der Netzhaut mit Gentherapien zu heilen und zu lindern. Der in Basel forschende Arzt schaffte es, einen Zelltyp im Auge so umzuprogrammieren, dass dieser die Funktion von defekten Lichtrezeptor-Zellen übernehmen konnte. Blinde Netzhäute konnte er damit wieder lichtempfindlich machen. Die klinische Erprobung bei blinden Menschen hat bereits begonnen.

Künstliche Netzhaut geschaffen

Zuletzt sei es dem Mediziner gelungen, in Petrischalen eine vollständige künstliche Netzhaut zu züchten. Aus der Hautzelle eines Patienten wächst über diverse gentechnische Schritte in etwa 30 Wochen ein sogenanntes Netzhaut-Organoid, an dem Therapien getestet werden können. Nach Angaben der Körber-Stiftung sind weltweit geschätzt etwa 36 Millionen Menschen blind. Mehr als eine Milliarde leide an einer erheblichen Sehbehinderung.

Der Körber-Preis, der zu den weltweit höchstdotierten Forschungspreisen zählt, wird seit 1985 vergeben. Bislang sechs Preisträgerinnen und Preisträger erhielten im Anschluss auch den Nobelpreis. Die Körber-Stiftung will Botond Roska am 7. September im Hamburger Rathaus auszeichnen.

(RP/dpa)

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