Teilhabe von Menschen mit Behinderung darf nicht an der Krankenhaustür Halt machen

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Die Fachverbände schreiben an Bundessozialminister Heil (SPD) und fordern Verbesserungen.

(Symbolfoto: Shutterstock)

Wenn Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen, kann das für die Betroffenen hochgradig beängstigend und bedrohlich sein. Zu krankheitsbedingten Symptomen, wie etwa Schmerz oder Atemnot, kommt die Unsicherheit einer fremden Umgebung. Ärzt*innen und Pflegekräfte sind auf den Umgang mit Menschen mit Behinderung in der Regel nicht vorbereitet, es fehlt an behinderungsspezifischen Kenntnissen und an Erfahrung in der Kommunikation zum Beispiel mit Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.

Wenn Eltern berichten, dass vielfach behinderte Kinder mit hohem Pflege- und Unterstützungsbedarf auch im Erwachsenenalter nur dann in Kliniken aufgenommen werden, wenn die Eltern sie begleiten, weil nicht gewährleistet werden kann, dass der notwendige Umfang pflegerischer Versorgung und sozialer Assistenz sichergestellt wird, muss sich etwas ändern. Dies hat sich aktuell in der Corona-Krise wieder gezeigt. Es bedarf vertrauter Begleitung und Betreuung, um die Behandlung erfolgreich durchzuführen.

Forderung nach Assistenz im Krankenhaus

Darauf machen die Fachverbände für Menschen mit Behinderung seit langem aufmerksam. Sie fordern deshalb, dass Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung eine Assistenz für Aufenthalte im Krankenhaus sowie in stationären Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen als Leistung der Eingliederungshilfe in Anspruch nehmen können. So lautet die Forderung der Fachverbände in ihrem aktuellen Positionspapier „Assistenz im Krankenhaus für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung“, das sie an Bundessozialminister Heil verschickt haben.

Die Assistenz muss von einer aus dem Alltag vertrauten Person geleistet werden. Die Assistent*innen übernehmen Aufgaben, die sich aus dem behinderungsbedingten Bedarf und nicht aus dem medizinischen Aufwand der Behandlung ergeben. Die Assistenz im Krankenhaus und in stationären Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen muss ausdrücklich als Leistung der Eingliederungshilfe im Neunten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB IX) verankert werden. Denn diese Unterstützung bei der persönlichen Gesundheitssorge ist eine Leistung zur sozialen Teilhabe.

Das Positionspapier der Fachverbände finden Sie hier.

(RP/PM)

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag mit der Forderung, die ich nur unterstützen kann.
    Meine behinderte Tochter wurde gar nicht erst aufgenommen stationär in einem Krankenhaus, um dort eine Therapie gegen Schmerzen und Ängsten etc zu machen. Ich hatte trotz Nachdruck, auch von einer ambulanten Kinderkrankenschwester, die als Unterstützung bei dem Termin zur Besprechung extra dabei war,gar keine Möglichkeit Gehör zu finden.
    Es wurde einfach umgeleitet, dass die Klinik nicht zuständig wäre in der Ausrichtung. Was definitiv so nicht wahr laut ihrer eigenen Angaben in den Broschüren und im Internet.
    Da war ich einfach machtlos.
    Keine gute Erfahrung.

  2. Bei meinem Bruder gibt es genau die gleiche Gesichte. Seine Tochter kann nur aufgenommen werden, wenn er sie begleitet. Er arbeitet aber 60 Stunden pro Woche und hat also keine Zeit. Es wäre von daher echt wichtig, dass im Krankenhaus auch Assistenz angeboten wird.

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