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NACHRICHTENTICKER

BSVH begrüßt Ausnahmeregelung für Hilfsmittel bei geplantem Smart-Glasses-Verbot

7.9.2026 – Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e. V. (BSVH) begrüßt ausdrücklich, dass bei den geplanten Einschränkungen für Smart Glasses in Hamburg Ausnahmen für Hilfsmittel vorgesehen sind, die medizinisch oder aufgrund einer Behinderung notwendig sind. Der Verein appelliert zugleich an Politik und Gesetzgeber, diesen Grundsatz bei allen künftigen gesetzlichen Regelungen zu Smart Glasses und vergleichbaren Technologien konsequent zu berücksichtigen.

Hintergrund sind die aktuellen Beratungen in der Hamburgischen Bürgerschaft über Einschränkungen für Smart Glasses mit Kamera- und Aufnahmefunktion. SPD und Grüne schlagen unter anderem vor, deren Nutzung in Schwimmbädern sowie im öffentlichen Nahverkehr einzuschränken. Dabei sollen notwendige Sehhilfen und behinderungsbedingt eingesetzte Hilfsmittel ausgenommen werden.

„Wir begrüßen sehr, dass die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung bei der Regelung von Anfang an mitgedacht werden“, sagt Heiko Kunert, Geschäftsführer des BSVH. „Der Schutz der Privatsphäre ist ein wichtiges Anliegen. Gleichzeitig dürfen gesetzliche Einschränkungen nicht dazu führen, dass Technologien verboten oder in ihrer Nutzung eingeschränkt werden, die Menschen mit Behinderung mehr Selbstständigkeit und Teilhabe ermöglichen.“

Gerade für blinde und sehbehinderte Menschen entwickeln sich handelsübliche Smart Glasses, wie das Modell von Ray Ban, zunehmend zu wertvollen Assistenzsystemen. Kameras in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz können beispielsweise Texte erkennen und vorlesen, Gegenstände und die Umgebung beschreiben oder bei der Orientierung unterstützen. Auch die Verbindung zu sehenden Assistenzpersonen kann über solche Systeme ermöglicht werden. Funktionen, die für andere Nutzerinnen und Nutzer lediglich zusätzlichen Komfort bedeuten, können für Menschen mit Sehverlust einen erheblichen Gewinn an Selbstständigkeit darstellen.

Aus Sicht des BSVH muss deshalb bei jeder gesetzlichen Regulierung neuer Technologien geprüft werden, welche Auswirkungen sie auf Menschen mit Behinderung hat. Das gilt nicht nur für Smart Glasses, sondern grundsätzlich für digitale und KI-gestützte Assistenztechnologien.

„Neue technische Möglichkeiten bringen berechtigte Fragen zu Datenschutz und Persönlichkeitsrechten mit sich. Diese müssen wir lösen. Die Antwort darf aber nicht sein, Menschen mit Behinderung den Zugang zu Technologien zu erschweren, die Barrieren abbauen“, so Kunert. „Ausnahmen für behinderungsbedingt notwendige Anwendungen dürfen deshalb kein Sonderfall einzelner Regelungen sein. Sie müssen bei allen gesetzlichen Einschränkungen von Anfang an mitgedacht und rechtssicher ausgestaltet werden.“

Der BSVH sieht die im Hamburger Antrag vorgesehene Ausnahme daher als wichtiges Signal: Datenschutz und Teilhabe dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beides muss bei der Regulierung neuer Technologien gemeinsam gedacht werden. (RP/PM)

Bundestag: Liveübertragungen in Deutscher Gebärdensprache und mit Untertiteln

7.9.2026 – Das Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestages überträgt in der Haushaltswoche am Mittwoch, 9. September 2026, ab 9 Uhr die Generaldebatte zum Einzelplan 04 (Bundeskanzler und Bundeskanzleramt) in Deutscher Gebärdensprache (DGS) und mit Untertiteln (UT). Auf der Seite https://www.bundestag.de/gebaerdensprache können gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen die Übertragung live verfolgen und anschließend die DGS-Videos mit korrigierten UT abrufen. Die aktuelle Tagesordnung finden Sie hier: https://www.bundestag.de/tagesordnung.

Foto vom Making-of

(Foto: Martinsclub)

Guck da nicht so hin!

1.9.2026 – Er gründete HeimeEin Mensch mit Behinderung betritt den Raum – und alle starren ihn an. „Darf der hier überhaupt alleine hin? Die sind immer so nett, die tun mir immer so leid.“ Kommentare und Geflüster, der Mensch mit Behinderung steht unfreiwillig im Mittelpunkt, alle Anwesenden reden über ihn. Das ist fraglos unangenehm – und schlicht diskriminierend. Ein Kurzfilm. Weiter auf ROLLINGPLANET

Hayden Siebuhr

(Foto: Andreas Joneck)

RSV reagiert auf die anhaltende Verletzung von Leistungsträger Blair: Australier Hayden Siebuhr verstärkt Wetzlarer Erstligisten

1.9.2026 – Rollstuhlbasketball: Der RSV Lahn-Dill hat auf die anhaltende Verletzung von Lowpointer und Leistungsträger Jannik Blair reagiert und dessen Landsmann Hayden Siebuhr verpflichtet. Der 27-jährige Australier spielte zuletzt in der RBBL bei RB Zwickau und war maßgeblich am Klassenerhalt des Neulings aus Sachsen beteiligt. In Wetzlar hat Hayden Siebuhr nun einen temporären Vertrag bis Ende des Jahres unterzeichnet, mit einer Option auf eine Verlängerung, sollte Jannik Blair nicht rechtzeitig wieder fit werden.

Mit einer Rückkehr von Leistungsträger Blair, der bereits seit den Playoffs im Mai ausfällt, ist aktuell noch nicht zu rechnen. Erst vor Monatsfrist musste der 34-jährige Nationalspieler die Weltmeisterschaften im kanadischen Ottawa absagen und wird wahrscheinlich nicht vor Jahresende ins Teamtraining des RSV Lahn-Dill zurückkehren können. Hierauf hat der deutsche Rekordmeister nun reagiert und Blairs australischem Landsmann Hayden Siebuhr bis Ende des Jahres unter Vertrag genommen. „Wir waren durch die anhaltende Verletzung von Jannik gezwungen zu reagieren, um nicht wieder in die gleiche sportliche Situation zu kommen wie in den Playoffs. Mit Hayden Siebuhr haben wir nun einen hochtalentierten Lowpointer gewinnen können, mit dem wir uns vorstellen können, auch langfristig zusammenzuarbeiten“, so RSV-Geschäftsführer Andreas Joneck zu der Neuverpflichtung.

Hayden Siebuhr hat sein Einmaleins in der Sportart bei den Brisbane Southern Districts Spartans erlernt und im Sommer 2024 den Schritt nach Europa gewagt. Dort ist er dem RSV Lahn-Dill bereits in der laufenden Saison positiv aufgefallen. Hayden Siebuhr: „Teil eines Vereins wie des RSV Lahn-Dill zu sein, ist eine unglaubliche Chance, sein Know-how in eine bereits hoch wettbewerbsfähige Mannschaft einzubringen und gleichzeitig das eigene Spiel und die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.“ (PM/aj)

Ernst Jakob Christoffel

Der Gründer und Namensgeber der CBM wurde am 4. September 1876 in Rheydt/Deutsches Reich geboren und starb am 23. April 1955 in Isfahan/Persien. (Foto: CBM)

Bildung statt Bevormundung: Ernst Jakob Christoffel war seiner Zeit weit voraus – trotz aller Widerstände

27.8.2026 – Er gründete Heime für blinde Kinder, entwickelte Blindenschriften und baute seine Arbeit nach Kriegen und Ausweisungen immer wieder neu auf: Im September jährt sich der Geburtstag von Ernst Jakob Christoffel zum 150. Mal. Weiter auf ROLLINGPLANET

Barrierefreiheit an Bahnstationen in der Oberpfalz

27.8.2026 – Über die Barrierefreiheit an den verschiedenen Bahnstationen in der Oberpfalz informiert die Bundesregierung in ihrer Antwort (21/7660) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (21/7338). Maßgeblich für den Bund seien die Vorgaben der Europäischen Technischen Spezifikation für die Interoperabilität im Bereich Personen mit eingeschränkter Mobilität (TSI PRM) und dem daraus resultierenden nationalen Umsetzungsplan, heißt es.

Um barrierefreie Verkehrsangebote möglichst frühzeitig für viele Personen zu schaffen, erfolge eine Vorrangregelung und eine Zielsetzung für den barrierefreien Ausbau insbesondere nach der Nutzungshäufigkeit der jeweiligen Verkehrsstation. Daher plane und realisiere die DB InfraGO AG Maßnahmen zur Barrierefreiheit „insbesondere bahnsteigbezogen entsprechend dem Reisendenaufkommen“.

Bei Störungen an den für die Barrierefreiheit relevanten Einrichtungen bestehen laut Bundesregierung keine festgelegten Mindeststandards oder Fristen für die vollständige Wiederherstellung der Barrierefreiheit. Nach Angaben der DB InfraGO AG würden für die Entstörung technischer Anlagen jedoch vertraglich festgelegte Reaktionszeiten gelten, wird mitgeteilt. Diese regelten, innerhalb welcher Zeit Servicetechniker nach Eingang einer Störungsmeldung, abhängig von der jeweiligen Örtlichkeit, vor Ort sein müssen, um mit der Entstörung zu beginnen.

(RP/hib/HAU)

Thomas Klein

(Foto: Hannover United)

Tomas Klein wechselt zu Hannover United

27.8.2026 – Der Rollstuhlbasketball-Bundesligist verpflichtet den australischen Nationalspieler Klein. Der 3.0-Punktespieler komplettiert mehrere Aufstellungen von Headcoach Martin Kluck. Weiter auf ROLLINGPLANET

Lebenshilfe: Jetzt auch die Verhinderungspflege erhalten

26.8.2026 – Die Bundesvereinigung Lebenshilfe begrüßt den Vorstoß von Gesundheitsminister Carsten Linnemann, pflegenden Angehörigen die Rentenbeiträge nicht kürzen zu wollen. Dazu erklärt Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und ehemalige Gesundheitsministerin: „Wir sind froh, dass Herr Linnemann den Vorschlag aus dem aktuellen Entwurf nicht übernehmen will. Eltern, die ihr Kind mit Behinderung über viele Jahre pflegen, dürfen dafür nicht auch noch bestraft werden. Meistens sind es die Mütter, die ihre Berufstätigkeit einschränken und zu Hause die Pflege übernehmen. Jetzt muss der Minister außerdem dafür sorgen, dass die Verhinderungspflege erhalten bleibt. Familien mit einem Angehörigen mit Unterstützungsbedarf haben einen sehr belastenden Alltag und brauchen auch mal eine Auszeit, in der sie die Pflege in vertrauenswürdige Hände geben können. Wenn diese Leistung – wie geplant – gestrichen wird, wäre das fatal.“ (RP/PM)

Aktion Mensch alarmiert: Diskriminierung von Menschen mit Behinderung unverändert stark

26.8.2026 – Sechs von zehn Menschen mit Behinderung haben in den letzten fünf Jahren in unterschiedlichen Alltagssituationen Diskriminierung erlebt, etwa doppelt so viele wie in der Gesamtbevölkerung. Damit hat sich die Situation von Menschen mit Behinderung in Bezug auf ihre Diskriminierungserfahrungen im Vergleich zur Vorjahresbefragung nicht verbessert – sie bleibt weiterhin besorgniserregend. Weiter auf ROLLINGPLANET

Victor Ramos übernimmt Trainerposten beim RSV Lahn-Dill

26.8.2026 – Rollstuhlbasketball: Der Spanier führte zuletzt Madrid zum Champions League Sieg. Assistenztrainer wird in der am 17. Oktober startenden Spielzeit 2026/2027 Ralf Neumann sein. Weiter auf ROLLINGPLANET

Special Olympics 2029 Bayern

26.8.2026 – Zwei Städte bewerben sich um die die Ausrichtung der Special Olympics Sommerspiele in Bayern 2029. Dies hat der Verein Special Olympics Bayern nach Ende der Bewerbungsfrist mitgeteilt. Weiter auf ROLLINGPLANET

Gesetzliche Quote greift kaum: Barrierefreie Taxis bleiben Mangelware

21.8.2026 – Laut einer Evaluation des Personenbeförderungsgesetzes wird das Ziel, Menschen mit Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, nur in sehr geringem Maße erreicht. Weiter auf ROLLINGPLANET

Weil Farbe eine Sprache ist

21.8.2026 – Nadine und Sidney malen im Studio 111 zusammen mit anderen Künstlern – weil Bilder manches ohne Worte ausdrücken. Auf der REHACARE sind die Werke in zu sehen – und zu kaufen. Weiter auf ROLLINGPLANET

Vermieter in Bayern kündigt Familie mit behindertem Kind wegen Ruhestörung

16.8.2026 – „Wir sind schockiert von diesem Fall“, sagt Monika Schmid-Balzert, Geschäftsführerin vom Mieterverein München. „Unsere Mitglieder haben versucht, auf die Nachbarn, die sich gestört fühlen, zuzugehen – ohne Erfolg. Andere Nachbarn sehen kein Problem und haben das auch bestätigt. Kinder haben ein Recht auf Entwicklung. Dazu gehört es, dass Kinder auch mal laut sind. Das muss von Nachbarn toleriert werden. Das gilt für jedes Kind, erst recht für Kinder mit Beeinträchtigungen.“ tz

Sachsen-Anhalt: CDU lässt Rollstuhlfahrerin wieder aufstehen

12.8.2026 – Internet-Spott wegen zweier Wahlplakate von Ministerpräsident Sven Schulze (47, CDU). Auf den Plakaten ist dieselbe Frau zu sehen, einmal sitzt sie im Rollstuhl und Schulze verspricht „gute Medizin“. Auf einem anderen Plakat steht sie plötzlich neben Schulze – ohne auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. In den sozialen Netzwerken wird er verhöhnt: „Wunderheiler Sven Schulze lässt Rollstuhlfahrer wieder aufstehen.“ Bild

Gamer sitzt nach falschem Notruf im Rollstuhl

10.8.2026 – Tucson (Arizona): Was als Streit in einem Videospiel begann, endete in einer realen Katastrophe. Der US-Amerikaner Axeel Melendez (24) warnte die Polizei vor einem möglichen falschen Notruf durch Hacker. Zwei Tage später stürmten Beamte sein Haus und schossen auf ihn. Heute sitzt er im Rollstuhl und fordert Schadensersatz in Millionenhöhe. Bild

Paukenschlag: RSV Lahn-Dill trennt sich von Michael Paye

7.8.2026 – Der Wetzlarer Rollstuhlbasketball-Bundesligist und sein bisheriger Head Coach gehen nach nur einem Jahr getrennte Wege. Wer wird Nachfolger(in)? Weiter auf ROLLINGPLANET

Hilfsmittel-Reform verfehlt ihr Ziel

6.8.2026 – Viele Familien kämpfen weiter um Rollstühle und Orthesen für ihre Kinder. Eine Studie der Universität Witten/Herdecke zeigt, dass drei von vier Eltern nach der Gesetzesänderung keine Verbesserung erleben. Weiter auf ROLLINGPLANET

Weitere Nachrichten

Kristina Vogel will zu „Let’s Dance“

6.8.2026 – Seit einem schweren Unfall 2018 sitzt die Olympiasiegerin Kristina Vogel im Rollstuhl. Im Podcast „WONDERMOM“ von Natascha Ochsenknecht (61) sprach die 35-Jährige erneut über ihren Wunsch, sich der RTL-Tanzshow zu stellen und eine für sie neue sportliche Herausforderung anzunehmen. Bereits 2024 hatte sie erklärt, dass sie sich solch einen Auftritt vorstellen könne. Damals sagte sie der „Bild“-Zeitung, sie wolle trotz ihrer Einschränkungen eine neue Form des Ausdrucks finden. Focus

Ein Blinder, ein Lahmer, ein Tauber

2.8.2026 – Versprochen wird Unterhaltung mit Haltung: Die neue MDR-Comedy-Doku für die ARD Mediathek „Ein Blinder, ein Lahmer, ein Tauber – Die behinderte Job-Challenge“ thematisiert Inklusion dort, wo sie oft besonders herausfordernd ist: im Arbeitsalltag. Mit Selbstironie, überraschenden Begegnungen und Humor stellen sich die drei Comedians Tan Caglar, Timur Turga und Okan Seese Aufgaben, die sie an ihre Grenzen bringen. Die MDR-Produktion kann ab 3. August 2026 in der ARD Mediathek gestreamt werden. Weiter auf ROLLINGPLANET

Werkstätten für behinderte Menschen sollen reformiert werden

27.7.2026 – Die Bundesregierung will Werkstätten für behinderte Menschen neu ausrichten. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kündigte an, den Berufsbildungsbereich stärker mit dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verbinden und einen Gesetzentwurf zur Reform der Werkstätten vorzulegen. Gegen-hartz

Bayerns soziale Infrastruktur und Teilhaberechte: LAG CBP Bayern und Bundesverband CBP warnen vor Leistungslücken

27.7.2026 – Die Landesarbeitsgemeinschaft Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie Bayern (LAG CBP Bayern) und der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e. V. (CBP) warnen vor geplanten Reformen: Durch sie drohen Leistungslücken und der Verlust bewährter Unterstützungsstrukturen für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung. Die vorgesehene Zusammenführung der Leistungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung unter dem Dach des SGB VIII in der vorliegenden Form und zum vorgesehenen Zeitpunkt lehnen die beiden Verbände ab. Sie fordern, bei der Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe individuelle Teilhaberechte, wohnortnahe Unterstützungsangebote und eine verlässliche Refinanzierung tarifvertraglicher Vergütungen, sowie die Vergütungen nach kirchlichen Arbeitsrechtsregelungen zu sichern.

Vertreterinnen und Vertreter beider Verbände haben am 27. Juli 2026 beim Landes-Caritasverband Bayern in München über die Reform des SGB VIII und die aktuellen Vorschläge zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe beraten. Zu Letzteren zählen der Beschluss von Bund und Ländern vom 25. Juni 2026 einschließlich der Anlage „Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen“ sowie die Empfehlungen aus dem Dialogprozess Eingliederungshilfe.

Die Verbände erkennen den finanziellen und organisatorischen Handlungsdruck bei Ländern und Kommunen an. Vermeintliche Entlastung dürfe jedoch nicht durch das Pauschalieren von Leistungen, durch das Schwächen von Rechtsansprüchen oder den Abbau wohnortnaher Angebote erkauft werden. Gerade im Flächenland Bayern müssten bedarfsgerechte und fachlich qualifizierte Unterstützungsangebote auch außerhalb der Ballungsräume erhalten bleiben.

SGB-VIII-Reform: Voraussetzungen für eine Zusammenführung fehlen

Die Voraussetzungen für die vorgesehene Zusammenführung der Leistungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung unter dem Dach des SGB VIII sind aus Sicht der Verbände derzeit nicht gegeben. Die Kinder- und Jugendhilfe ist fachlich, personell, strukturell und finanziell nicht hinreichend auf die Übernahme dieser umfassenden Verantwortung vorbereitet.

Ein Zuständigkeitswechsel allein schafft noch keine inklusive Kinder- und Jugendhilfe. Der Gesetzentwurf sichert weder den individuellen Anspruch auf bedarfsgerechte Teilhabeleistungen noch eine personenzentrierte Bedarfsermittlung ausreichend ab, ebenso wenig behinderungsspezifische Fachlichkeit, barrierefreie Verfahren und den Erhalt spezialisierter Angebote. Auch die Finanzierung, das Leistungserbringungsrecht und die Schnittstellen zu Pflege, Gesundheit und Rehabilitation sind nicht tragfähig geregelt.

Besonders für Kinder und Jugendliche mit komplexen, seltenen oder hohen Unterstützungsbedarfen drohen Leistungslücken durch den Verlust spezialisierter Angebote und den Abbruch bewährter Unterstützungssettings.

„Eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe muss die Situation von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung tatsächlich verbessern, statt nur Zuständigkeiten zu verschieben“, erklärt Wolfgang Tyrychter, Erster Vorsitzender des Bundesverbandes Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie. „Solange individuelle Rechtsansprüche, behinderungsspezifische Fachlichkeit und spezialisierte Angebote nicht verlässlich abgesichert sind, ist dieser Systemwechsel nicht verantwortbar.“ Zudem würde die damit verbundene Verwaltungsreform in Bayern Kosten und zusätzliche Bürokratie durch gesplittete Zuständigkeiten verursachen.

Bayerns soziale Infrastruktur und Tarifbindung sichern

Bayern verfügt über eine vielfältige, über viele Jahre gewachsene soziale Infrastruktur. Sie ermöglicht Menschen mit Behinderung, auch außerhalb der Ballungsräume zu wohnen, zu lernen, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dazu gehören gerade auch die spezialisierten Angebote, die aufgrund ihrer fachlichen Ausrichtung nicht in jeder Kommune vorgehalten werden können, regional aber verlässlich erreichbar bleiben müssen.

Der Erhalt dieser Strukturen setzt qualifizierte Beschäftigte und eine tragfähige Finanzierung voraus. Die Verbände lehnen deshalb Überlegungen ab, die Refinanzierung künftiger Tarifsteigerungen an der Entwicklung der öffentlichen Tarifverträge TVöD und TV-L auszurichten oder entsprechend zu begrenzen. „Bayern braucht auch außerhalb der Ballungsräume verlässliche und fachlich qualifizierte Angebote für Menschen mit Behinderung“, erklärt Landes-Caritasdirektor Pfarrer Dr. Andreas Magg, Vorsitzender der LAG CBP Bayern.

„Dafür müssen die Dienste und Einrichtungen qualifizierte Beschäftigte gewinnen und langfristig halten können. Wer Tarifbindung und faire Bezahlung fordert, muss tarifvertraglich vereinbarte Vergütungen und Vergütungen nach kirchlichen Arbeitsrechtsregelungen einschließlich ihrer künftigen Steigerungen vollständig und verlässlich refinanzieren. Andernfalls geraten bewährte Angebote wirtschaftlich unter Druck und drohen sich aus der Fläche zurückzuziehen.“

Dienste und Einrichtungen sind verpflichtet, tarifvertraglich vereinbarte Entgelte und Vergütungen nach kirchlichen Arbeitsrechtsregelungen zu zahlen. Die Refinanzierung dieser Vergütungen darf nicht davon abhängig gemacht werden, ob sie sich parallel zu TVöD oder TV-L entwickeln. Ein Vergleich einzelner Entgeltbestandteile wird den unterschiedlichen Vergütungssystemen nicht gerecht. Tarifliche und kirchliche Vergütungen müssen deshalb einschließlich künftiger Steigerungen vollständig, zeitnah und verlässlich refinanziert werden.

Finanzierungslücken treffen unmittelbar die Menschen mit Behinderung: Stellen bleiben unbesetzt, vertraute Bezugspersonen wechseln, spezialisierte Angebote geraten unter wirtschaftlichen Druck. Gerade Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf sind aber auf die fachliche Kompetenz ihrer Assistenzkräfte und auf verlässliche Beziehungen zu ihnen angewiesen.

Die LAG CBP Bayern und der Bundesverband CBP fordern Bund und Länder auf, die Reformvorhaben grundlegend zu überprüfen und Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen sowie Dienste und Einrichtungen eng einzubeziehen. Reformen müssen Verfahren vereinfachen und tragfähige Strukturen stärken, ohne individuelle Rechte und fachliche Standards zu schwächen: „Die derzeit diskutierte Reform der Kinder- und Jugendhilfe im SGB VIII lehnen wir ab.“ (RP/PM)

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22.7.2026 – Trotz vorheriger Genehmigung ließ EasyJet die italienische Powerchair-Football-Nationalmannschaft nicht nach Glasgow fliegen. Für die Sportler platzte damit ein wichtiges Vorbereitungsturnier für die Weltmeisterschaft. Es ist nicht das erste Mal, dass EasyJet wegen des Umgangs mit Reisenden mit Behinderung in die Kritik gerät. Weiter auf ROLLINGPLANET

18-jährige Schauspielerin Kaylee Hottle ist tot

22.7.2026 – Kaylee Hottle übernahm in zwei „Godzilla“-Blockbustern die wichtige Rolle der Jia. Nun kam die gehörlose US-Schauspielerin bei einem Autounfall in Maryland ums Leben. Sie wurde 18 Jahre alt. Spiegel

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Für viele Menschen mit MS haben moderne Therapien die Behandlung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dennoch gab es bislang für eine besonders belastende Verlaufsform der Erkrankung kaum wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Das könnte sich nun ändern: Die Europäische Union hat erstmals ein Medikament speziell für Patienten mit nicht-schubförmiger sekundär progredienter Multipler Sklerose (SPMS) zugelassen.

Sachverständigenkritik an Behindertengleichstellungsgesetz

Der Gesetzentwurf verfolgt laut Bundesregierung für den privaten Bereich das Ziel, den Zugang zu privaten Gütern und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen spürbar und nachhaltig zu verbessern, ohne dabei Unternehmen „unverhältnismäßig stark“ zu belasten. Die geplante Novellierung wird von Sachverständigen unterschiedlich beurteilt.

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"Wer will eine behinderte Frau ...?" - mit diesem Satz in einem Online-Forum beginnt die Recherche von "Y-Kollektiv"-Reporterin Carolin von der Groeben. Was zunächst wie ein extremer Einzelfall wirkt, führt schnell tiefer: In verschiedenen Foren und auf Datingplattformen stößt sie auf Männer, die gezielt nach Frauen mit Lernschwierigkeiten, wie beispielsweise dem Down-Syndrom, suchen und sie offen sexualisieren.

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Beim Rekordmeister gibt es jetzt neben den gängigen Autogrammkarten auch ganz spezielle Karten für Menschen mit einer Sehbehinderung. Der Fußballclub testet diesen Fan-Service im Rahmen eines Pilotprojekts.

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Die Conterganstiftung trauert um Margit Hudelmaier

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Lara Wilkin promoviert gerade mit Fokus auf die Prothetik der oberen Extremitäten. Sie spricht auf internationalen Kongressen über moderne Prothesentechnik. Als Gründerin der Arm Prosthesis Community und Amputations-Peer fördert sie die Aufklärung und den Austausch von Betroffenen. Ihr vielfältiges Engagement resultiert aus ihren eigenen Erfahrungen mit der Amputation eines Unterarms – und zeigt Herausforderungen für eine moderne Hilfsmittelversorgung.

Konferenz der Beauftragten von Bund und Ländern für Menschen mit Behinderungen (KBB) positioniert sich zur Diskussion um Leistungskürzungen

Die Beauftragten von Bund und Ländern für Menschen mit Behinderungen veröffentlichen zum Abschluss ihres 71. Treffens in Celle am 22./23. April 2026 eine gemeinsame Position zu den diskutierten Leistungskürzungen.

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